Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- 18 (1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 277 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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— 277 — dessen Herkunft verraten könnte, sorgfältig zu verbergen, damit wir niemals genötigt seien, es von uns lassen zu müssen, ob mit Recht, — ii> will es dahingestellt sein lassen. Doch mag das zu unserer Rechtfertig , dienen, daß das Rind seine leiblichen Litern nie vermißt hat, ja, daß es heute noch gar keine Ahnung davon hat, daß diejenigen, welche es Rater und Matter nennt, nicht seine Eltern sind." „Und das Gebetbuch?" drängte Hochfeld. „Das Gebetbuch benutzt Alma selbst. Sie sahen es ja am ersten Abend des hüttenfestes, wie sie daraus betete." - „Mein Gott! Rein Zweifel inehr, jene Unglückliche war meine Mutter und Alma ist — — meine Schwester." Diese Morte stieß Hochfeld voll Schmerz, zugleich aber auch mit inniger Freude aus. Die Runde von denn traurigen Schicksale seiner Mutter wirkte tief erschütternd auf ihn, die Thatsache aber, daß er dasjenige teure Mesen, das er schon Freundin nennen konnte, nunmehr als Schwester begrüßen und umarmen durfte, dies letztere milderte seinen herben Schmerz, und er rief aus: „0, lassen Sie mich zu Alina, zu meiner Schwester, eilen." Lächelnd entgegnete Herr Goldstein: „Gewiß, gehen wir zu ihr." fl Als die beiden Männer das Zimmer wieder betraten, nahmen sie wahr, wie Mutter und Tochter einander fest umschlungen hielten und sich thränenfeuchten Auges liebevoll anschauten. „O, es ist entsetzlich! Arme, unglückliche Mutter!-So mußtest Du enden! — — Und ich — — ach! eine-heimatlose IDaifcü —" Diese flüsternd und abgebrochenn gesprochene Morte drangen in diesem Augen-' blicke an das Ohr der an der Schwelle verharrenden Männer, die es vernrieden, den nrächtigen Gefühlsausbruch der Frauen zu stören. Diefe-vernommenen Morte ließen erkennen, daß Alma in das Geheimnis ihrer Jugend seitens der Frau Goldstein eingeweiht worden, die dem Drängen Alnras nicht zu widerstehen vernrocht hatte. Die Frauen schienen den Eintritt der Männer nicht bemerkt zu haben. „Mie? elternlos? heimatlos?" versetzte Frau Goldstein auf die Morte Almas, einen Ton des Rorwurfs in ihre Morte legend, „hast du je gefühlt, daß Dir die leiblichen Eltern fehlten, je erfahren, daß Du in der Freunde lebst?" v „M nein, meine bebe, gute, süße Mutter! wie soll ich Dir danken für all die Liebe nnd Güte." „Schweige doch, liebes Herzchen," entgegncte rasch die Mutter, den Mund des Mädchens mit Rüssen bedeckend, „mit Dir ist mir ja erst wieder das Glück ii ifirnajjijir;