Mannheim
Compact Memory

Israelitischer Jugendfreund · 1897-01-01 · 17 (1897) · p. Seite 268

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
3 (1897)
Issue
17 (1897)
Date
1897-01-01
Page
Seite 268 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/9620171-9626621-9621944--0724-9621956
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

268 festen Körper, der dem Eisen im Wege liegt, bemerken und den Spaten zurückziehen kann. Diese festen Körper sind nun entweder Holz oder Bernstein. Ist der Stecher auf ein Stück Bernstein gekommen, so sucht der vor ihm in der Tiefe stehende Aufräumer dasselbe mit der Hand aus dem Lager zu nehmen; wenn dieses aber nicht gelingt, so sticht der Stecher mehr ab, bis das Stück frei daliegt. Gespannt ist die Aufmerksamkeit, wenn das Stück einen größeren Umfang zu haben scheint; vorsichtig wird dann die Erde davon abgelöst und mit Jubel der Schatz aus der Erde gehoben. Ist die Arbeit des Stechers vollendet, so schreitet man zum Waschen des Bernsteins. Da nämlich die einzelnen Stücke von der Muttererde umgeben sind, so muß diese erst weggeschafft werden, soll der Stein dem Gewichte nach bestimmt werden. Daher bringt man den Bernstein, den man von Tag zu Tag gesammelt und unter Verschluß aufbewahrt hat, in Säcken an einen Teich oder Brunnen. Während kleine Mengen des Gerölles in Körben unter stetem Wasseraufgießen durchgearbeitet werden, damit durch Reibung und Abspülung die Erde sich entferne, werden die sogenannten Wertstücke, d. h. Stücke schwerer als V2 kg besonders und vorsichtiger behandelt, um zu reinigen und doch nicht durch Stöße zu verletzen; denn auffallend erscheint die große Sprödigkeit des gegrabenen Gesteins im Verhältnis zu dem Seestein. Ist der ganze Fund gereinigt und getrocknet, so wird die Masse gewogen und verhandelt, wobei freilich die Umstände den Strandbewohnern nicht besonders günstig sind. Da nämlich der Bernsteinhandel in der Hand einzelner Kaufleute sich befindet, so bestimmen diese auch den Oreis und die Verkäufer sind genötigt, entweder für diesen j)reis die Ware loszuschlagen oder den Bernstein zu behalten. Da aber aus dem Erlös die angesammelten Arbeitskosten und sonstigen Ausgaben bestritten werden sollen, so muß der Stein veräußert werden, und die Kaufleute schließen daher mit den Strandbewohnern, als den Strand- und Bernsleinpächtern, Kontracte ab, gernäß welcher sie ihnen sämtlichen Bernstein zu einem bestimmten Preise abnehmen. Das eigentlche Stechen des Bernsteins geschieht auf andere Weis:. Wer Seebäder besucht hat, wird wissen, daß bei heiterem Himmel und vollständig ruhigem Wasser der Meeresboden und auf ihm befindliche größere Gegenstände wahrnehmbar sind, ohne daß man erst unterzutauchen hätte. Dann finden sich die zum Bernsteinstechen nötigen Mannschaften schon in der Frühe am Ufer ein und zwar bewaffnet, als sollte es in den Kampf gehen. Mit Stangen, nicht unähnlich den Lanzen, erscheinen sie auf den höhen, -von denen sie die Uferwand hinabsteigen, um sich auf der unteren Ebene zu vereinigen. Zunächst wird nun den Stangen ihre Bedeutung gegeben, indem man entweder Widerhaken, sogenannte Bootshaken, oder kleine Drahtnetze auf dieselben steckt. Dann gehts ans Flottmachen der auf dem Strande stehenden Fischerböte, und smd dieselben in die See geschoben, so begeben sich die Ruderer und zwei andere Männer hinein, von denen einer den haken, der andere den

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.