Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- 17 (1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 267 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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26? j " Die Gewinnung des Bernsteins. 's Preußen ist das Heimatland des Bernsteins, jenes bekannten Harzes, das untergegangenen Nadelwäldern der Urwelt seinen Ursprung verdankt. Interessant wie dieser Zeuge einer vorweltlichen Vegetation an sich, ist auch seine Gewinnung, die auf dreifache weise vor sich geht, nämlich teils durch Graben, teils durch Stechen und teils durch Fischen. Betrachten wir jede dieser Arten der Bernsteinförderung etwas näher; zuerst das Graben. wenn sich auch einzelne Bernsteinstücke in den oberen Schichten des Bodens finden, und zwar nicht nur in den Strandgegenden, sondern, selbst im Innern des Landes, so ist doch das eigentliche Bernsteinlager tiefer zu suchen, will man nämlich die über einander auf^elagerten Erdschichten zu Tage liegen . sehen, so begebe man sich in eine solche Strandgegend, deren Ufer von bedeutender höhe sind, hier werden oft die Uferwände von den anstürmenden wogen am unteren Teile ausgespült, die oberen Teile stürzen nach, und man steht, wenn das Meer weniger hoch und die Strandfläche freigelegt ist, am Fuße einer oft schroff aufsteigenden wand, deren frische Bruchstellen die Auflagerungsschichten deutlich unterscheiden und erkennen laffen. Fast mit dem Meeresspiegel in gleicher höhe findet sich die von den Leuten sogenannte blaue Erde, eine feine Kieselerde, reich mit bläulichem Thon durchsetzt, deren ungefähr zwei Bieter mächtiges Lager die Bernsteinstücke neben und auf einander liegend birgt. Auf welche weise zieht man diese nun ans Licht? wegen der zu. geringen Festigkeit des Bodens würde die Anlage von Stollen und Schachten viel Kraft und Geld kosten und dennoch unter Umständen nicht zum Ziele führen. Die Strandbewohner machen sich daher auf ganz natürliche Art und weise ans Werk. Zuerst wird das Gerölle am Fuße der Uferhöhe weggeräumt und in den Berg hineingegraben, während andere Arbeiter beschäftigt sind, die aufgeworfene Erde auf Karren nach dem Meere hin zu schaffen und dadurch die Grube zu säubern. Ist die Grube soweit fertig, , daß deren Boden eine genügend große Fläche darstellt, so macht man sich an das Ebenen der Grube, damit nicht Nachstürze die Arbeit stören oder gar Arbeitern Gefahr bringen. - Ist die Säuberung und Ebenung der Grubenwand bis, zum Boden geführt, so wird nicht mehr in den Berg hinein gearbeitet, sondern der Boden gesäubert und tiefer ausgegraben. Jetzt tritt aber der erste . störende Umstand ein, das Grubenwaffer, und es kommt nun zu dem Geschäft des Grabens und, Karrens noch das des Wassertragens. Ist man mit dem Wegräumen der letzten Grubenlage fertig und somit auf das Beriisteinlager ".gelangt, bann beginnt das Hauptgeschäft, nämlich das Bernsteinstechen selbst, hierzu hat man eigentümliche Stecheisen, die einem Meißel ähnlich, aber ungefühv?/- M lang.sind und auf einem, mäßig, langen Stiele stecken. Die Stecher .stellen .sich neben ^einander, und^jeder Acht mit seinem meißelartigen Spaten yt\ tief vorsichtig und langsam eine dünne Erdlage ab, so daß er jeden