Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- 17 (1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 263 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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263 ich nie empfunden. Geschwisterliebe blieb mir fremd, und einen wahrhaft teilnehmenden Freund, vor dem ich mein ganzes Herz je hätte ausfchütten können, habe ich nie gefunden." „haben Sie denn nie versucht, wenigstens einen solchen Freund zu gewinnen?" fragte teilnahmsvoll das Mädchen. „Nein; von mir ist bisher noch keine Freundschaft gefordert worden, und diese irgend jemand anzubieten, dazu fehlte mir der Mut." „Mir scheint überhaupt, daß der Mangel an Selbstvertrauen die Quelle Ihrer Vereinsamung ist." „Mündern Sie sich nicht über diesen Mangel an Selbstvertrauen! Morauf sollte sich bei mir dieses Selbstvertrauen gründen? Meine Jugendzeit war nicht imstande, mein Selbstbewußtsein zu fördern, noch viel weniger vermochte dies meine Studienzeit und erst recht nicht meine jetzige Stellung," erwiderte Hochfeld. Sinnend stand Alma vor dem Sprechenden. Es schien diesen:, als ringe sie mit einem Entschlüsse. Dann, entschlossen Hochfeld ihre Rechte darbietend, sprach sie festen Tones: „Sie klagen über Mangel an Freundschaft, zweifeln an Ihrem Selbstvertrauen, nun, wohlan denn, halten Sie mich für würdig, so lassen Sie mich Ihre Freundin sein! Ich hoffe, Ihr Selbstvertrauen zu wecken und zu fördern." Helle Freude erglänzte jetzt auf dem Antlitze Hochfelds, als er die herrlichen, glückverheißenden Morte aus den: lieblichen Munde des trefflichen Mädchens vernahm. Er faßte die dargebotene Freundeshand und mit vor Rührung fast erstickter Stimme sprach er: „Tausend Dank Ihnen, liebe Freundin, für das kostbare Geschenk, dessen Sie mich für wert halten. Solch eine Freundeshand ist Stab und Stütze, von ihr geführt, kann ich nur auf lieblichen Pfaden einherwandeln." „Ich werde, soviel in meinen Aräften steht, der mir gewordenen Aufgabe gerecht zu werden suchen. Und nun, mein Freund, gestatten Sie mir, daß ich mich entferne. häusliche Geschäfte erfordern anderswo meine Anwesenheit." Dann entfernte sich das junge Mädchen, freundlich grüßend. Hochfeld aber stand noch lange sinnend da. Noch fühlte er die zarte Hand in der feinigen. Mas ihm bis heute gefehlt hatte, ein edles Mesen hatte es ihm gewährt, und er nmßte sich dessen würdig machen. Mahrlich . ein kostbares Geschenk war es, das ihm Alma freiwillig gegeben, ein Geschenk, das ihm hoch beglückte. Sie hatte ihn unaufgefordert, aus freiem Antriebe ihres edlen, mitfühlenden Herzens durch ihre Freundschaft ausgezeichnet. Und er hatte dankerfüllt dieses Geschenk angenommen. Mohl hatte er die Freundin , erst kurze Zeit gekannt, doch hatte sich ihr Bild seiner Seele schon unauslöschlich eingeprägt. Begrüßte sie ihn doch an jenem Abend, als der schmerzliche