Mannheim
Compact Memory

Israelitischer Jugendfreund · 1897-01-01 · 17 (1897) · p. Seite 261

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
3 (1897)
Issue
17 (1897)
Date
1897-01-01
Page
Seite 261 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/9620171-9626621-9621944--0717-9621949
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

261 M, wie fühlen sich die Herzen einander näher gebracht, wenn nach des Tages Mühe und Arbeit, nach denr heißen Kampf ums tägliche Brot die Familienmitglieder sich in dem festlich geschmückten, weihe und Frieden ver breitenden Raum zusammensinden! Vergessen sind dann alle Unbilden, die ihm im Leben draußen begegnen. Ja, freundlicher Leser, gieb dich der Feier der jüdischen Feste mit ganzem Herzen hin, und du wirst die beglückende Wahrnehmung machen, daß es etwas höheres, Edleres, Erstebenswerteres giebt als alle die schätze der Welt, deren Erwerbung des Menschen Trachten und Streben gilt, zu bieten vermögen! Mt sanfter, aber sicherer Hand reißen diese Feste, die Familenseste im schönsten Sinne sind, die Schranken nieder, die sonst den Menschen vom Menschen trennen, und das Gefühl der Befangenheit im ersten verkehr macht dem Gefühl der Zusammengehörigkeit Platz. Die gemeinsame Festesfeier macht den Fremden zum Einheimischen, den Verlasseilen zunr beglückten und beglückenden Freund. Auch hochseld genoß in der Gesellschaft seiner freundlichen Wirtsleute des Festes Freuden in vollen Zügen. Die «gegenseitige Zuneigung war eine innige, aufrichtige. Besonders Alnla hatte fein ganzes Interesse gewonnen, zu ihr fühlte er sich nlächtig hingezogen. Er hatte aber auch in den wenigen Tagen schon ihren wert kennell und schätzen gelernt. Ihre Liebe zur Einfachheit hatte vom ersten Augen blicke an seine Bewunderung erregt. Äußeren Tand und Flitter anzulegen, verschmähte sie selbst an: Feste, und goldene Schinucksachen suchte man vergebens bei ihr. So bildete sie den entschiedensten Gegensatz zu so vielen anderen jüdischen jungen Mädchen, die ihm bisher begegnet waren. Gerade diese Einfachheit erhöhte aber ihre Schönheit. Ihr wahrhaft fronnnes Gemüt zeigte sich in diesen Tagen so recht deutlich. An jedem Festesmorgen war sie zur rechten Zeit im Gotteshause anwesend, und man sah sie hier in andächtigenl Gebete vor Gott stehen. Es war am Nachmittage des zweiten Feiertages. Da äußerte hochseld im Laufe eines Gespräches seine Anerkennung über den frommen Sinn Almas, und er sprach zu dieser: „Fräulein, es macht mir Freude, Ihnen sagen zu müssen, daß Sie sich vor vielen Ihrer Altersgenossinneil auszeichnen, daß Sie durch Ihre religiöse Lebensweise eine Ausnahme unter den Mädchen der Jetztzeit bilden." „Eine Ausnahme, sagen Sie?" entgegnete Al,na. „Gewiß," versetzte Hochfeld, „ullsere weibliche Jugend scheint den Sinn für das Göttliche, heilige verloren zu haben, nur weltlichen Dingen gehört ihr Denken und handeln. Sie lefen und kennen alle Erzeugnisse der Litteratur sogar des Auslandes; aber der Belehrung, Erbauung unö Veredelung des Gemütes durch die Bibel und das Gebetbuch scheinen sie sich geflissentlich zu verschließeu. An Stelle der Bescheidenheit und Einfachheit, dieser Zierde

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.