Mannheim
Compact Memory

Israelitischer Jugendfreund · 1897-01-01 · 16 (1897) · p. Seite 253

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
3 (1897)
Issue
16 (1897)
Date
1897-01-01
Page
Seite 253 (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/9620171-9626621-9621927--0708-9621940
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

heute essen und niorgen fasten, und da ließ der Hirte sagen, der König soll mir als gewiß versprechen, daß ich morgen noch leben werde. Deine getreue Alntter Edel. * * •i* Eine wundersame Geschichte, deren Ursache die 21Cutter war, hat sie nicht mehr erlebt, aber sie mag doch erzählt werden; Lin Brudersohn der Mutter, der da-; 2Netzgerhandwerk bei seinem Vater erlernt hatte, war nach 2lmerika ausgewandert und seit vielen Jahren verschollen. Eines Tages aber erschien er im Dorfe und bewies, daß er so wohlhabend als wohlthätig sei. Der Vetter war ein kräftiger 2Nann. Er sprach sehr wenig und hatte eine 2lrt spanisch-vornehme Haltung, denn er kam aus dein spanischen Amerika, er wollte die Heimat noch einmal sehen und sie auch seiner Frau zeigen. Diese war eine dunkelfarbige Areolin von schwachen! Aörperbau, und wenn der Vetter ihr sagte: „Manuela, dieser Mann, diese Frau ist so und so mit mir verwandt," dann umarmte und küßte 21ianuela den Vorgestellten und weinte dazu, indem sie anzeigte, daß sie leider keine andere Sprache als spanisch verstehe. Eines Tages sagte mir der Vetter: „Ja, es ist mir gewiß hart, daß ich meine Eltern nicht mehr am (eben gesunden habe, aber fast ebenso hart ist es nur, daß deine Mutter nicht mehr lebt, denn ihr verdanke ich mein Schicksal. Du weißt, mein Vater war der Bruder deiner Mutter, und als ich zur 2luswanderung gerüstet von Eltern und Geschwistern begleitet an deinem Elternhaus vorüberkam und deiner Mutter lebewohl sagen wollte, ries sie mich ins Haus, legte nur mit einem Segensspruch die Hand aus den Aopf; dann gab sie mir etwas in Papier Gewickeltes und Versiegeltes und sagte: „Heb' das gut auf, öffne es nicht, sondern gieb es da, wo du bleiben willst, dem ersten Armen, der dir begegnet und dich um eine Gabe anspricht. Beobachte das fest, und es wird dir gut gehen." Unterwegs erklärte der (ehrer, der mich auch begleitete, daß diese Mit* gäbe eine alte Sitte sei, die ebenso sein gefühlt als klug ausgedacht ist; denn wer eine Gabe bei sich trägt, die zur U)ohlthat bestinunt ist, wird danrit ein Sendbote des Guten, und die bösen 2Uächte haben keine Gewalt über ihn. Ich vergaß natürlich bald dies wie anderes. Ich kam in die neue Melt. Es ging mir schlecht. Ich ließ mich als Soldat in Mexiko anwerben; wollte ich aber erzählen, was ich erlebt habe, ich würde in Tagen nicht fertig. Ich desertierte mit vier andern Deutschen. U)ir bemächtigten uns eines Aanoe und fuhren einen Strom hinunter — ich weiß den Namen nicht; — aber das Boot schlug um, wir stürzten alle ins Master.!Vas aus

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.