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Israelitischer Jugendfreund · 1897-01-01 · 16 (1897) · p. Seite 250

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
3 (1897)
Issue
16 (1897)
Date
1897-01-01
Page
Seite 250 (sequence 10)
Language
German
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250 „Nein, sie starben leider vor wenigen Jahren. Sie waren die Einzigen, die in der Welt mir nahe gestanden. Auf sie vereinigte sich denn auch all die Liebe, deren mein jugendliches Herz fähig gewesen, denn sie waren damals die Einzigen, die sich des hülflosen, armen Waisenknaben angenommen hatten, ohne jemals Ersatz für alle Opfer und Wühen erhoffen zu dürfen. Sie haben mich zu dem ge,nacht, was ich jetzt bin, haben die Liebe zu meinem gegen, wärtigen Berufe angefacht".. „Sie lieben Ihren Beruf?" fragte Herr Goldstein. „Ich hänge an ihm mit allen Fasern meines Herzens", erwiderte Hochfeld begeistert. „Ein schwerer, dornenvoller, aber auch edler Beruf!" schaltete Herr Goldstein ein. „Sie haben wohl Recht", entgegnete Hochfeld, „auf der einen Seite begegnet man einer ungerechtfertigten Verkennung, einer Wißachtung, auf der anderen Seite bieten sich dar: hochgeschrobener Ansprüche, hohe Verantwortung und kärglicher Lohn für alle Wühen." „Ich bin ganz Ihrer Ansicht, lieber Freund", sprach hierauf Herr Goldstein, „ich habe immer mit Anwillen gesehen, wie man dem Lehrer, dem Bildner unserer Jugend, die Stellung in der Gesellschaft verweigert, die ihm in Ansehung seiner eigenen Bildung und seines hohen Be.ufes mit vollem Rechte gebührt. Will man von ihm dir treue Erfüllung seiner Berufspflichten, so versage man ihm aber auch nicht die ihm zustehenden Rechte. Herzens¬ und Geistesbildung Und in meinen Augen große, kostbare Schätze und wiegen ein Vermögen auf. Wir ist ein mittelloser, gebildeter Wann bei weitem lieber als ein reicher Narr, ein eingebildeter Geldprotze, der sich aus seinen Goldstücken eine ziemlich wackelige Leiter gebaut, mittels der er dorthin gelangt, wo er eben jetzt sich befindet. Schnalzen diese Goldstücke vor den Strahlen eines heißen Geschickes, so ist augenblicklich die Leiter dahin, die ihn bis jetzt gestützt, und er stürzt aus der schwindeligen höhe jäh in ein Nichts zurück!" Wie wohlthätig berührten Hochfeld diese Worte aus dem Wunde eines Wannes, der selbst mit Glücksgütern reich gesegnet war! — In dieser Weise unterhielt man sich noch eine längere Weile. Dann verabschiedete sich Hochfeld, uni zur Ruhe zu gehen. Er betrat sein Zimmer. Es war ein stiller, mondheller Septemberabend. Lächelnschaute ihn der Wond durchs Fenster an. Er öffnete dasselbe, um von der noch milden Herbstluft seine heiße Stirne umfächeln zu lassen. Noch ganz überwältigt war er von all der. Liebe, die er in diesem Hause schon gefunden. Solch ein Leben war ihm bis heute fremd geblieben. Ueberall hatte es ihn bisher eisig angeweht; fremd war er selbst im eigenen Hause gewesen.

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