Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- 16 (1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 248 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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248 von der Decke herab die in Hellem Glanze strahlende siebenarmige Sabbatlampe, eine jener Zeuginnen alten, echt jüdischen Familienlebens, die leider an Zahl immer geringer werden und meistens langst schon da sind, wohin die gar zu oft die Pietät für altjüdisches Leben verleugnende und verletzende Neuzeit sie geworfen, — in der Rumpelkammer! — Zum ersten Riale seit langer, langer Zeit wehte Hochfeld der belebende und erquickende Festtagsodem wieder warm an; die Sabbatlampe hatte sein Gemüt aufs tiefste bewegt. U)ie oft schon hatte er sich nach ihr vergebens umgeschaut. Ohne sie wäre ihm ehemals ein Sabbat, ein Fest unmöglich gewesen. — Auch diese Sabbatlampe, die er jetzt erblickte, war nahezu das getreue Abbild derjenigen, die noch aus seiner ersten Jugendzeit seinem geistigen Auge vorschwebte. An ei rem reichverzierten haken hing eine zierliche Arone, an dieser ein mit Zieraten geschmücktes Oval, nnd an diesem erst hing die eigen-tliche Lampe, an deren sieben Armspitzen die Lichtlein lustig flackerten und ihm den Festesgruß zu bieten schienen. Unter dieser Lampe prangte wieder eine Urone, an der schließlich ein spitzer, viereckiger Unopf hing. Unter der Sabbatlampe stand der festlich gedeckte Tisch. Die Sabbatbrote, Über welche eine buntgestickte Decke, die Uidduschdecke, ausgebreitet lag, sowie auch ein mit funkelndein Wein gefülltes Fläschchen und ein silberner Pokal kündeten den Sitz des Hausherrn an. — Am Tische saßen UÜutter und Tochter in tiefer Andacht vor einem Gebetbuche. Das Buch, aus dem die Tochter betete, war eins von jenen Exemplaren, die man heute schon zu den alten Erbstücken zählen kann; es war umfangreich und deutete auf ein hohes Alter hin. Ts erregte aber sofort Hochfelds besondere Aufmerksamkeit, denn es hatte seltsamerWeise mit demjenigen, alten Gebetbuche, das sich in seinem Besitze befand, eine unverkennbare Ahnlichkeit! — Beim Eintritte der Herren erhoben sich UÜutter und Tochter, denselben ein „vergnügtes Fest" bietend. Letztere näherten sich alsbald dem Bater ernst und gemessenen Schrittes, den üblichen Segen zu empfangen, der da lautet: „Es lasse der Herr Dich werden wie die fronrmen Stammmütter Sara, Rebecka, Rahel und Lea!" Dann näherte sich der Hausherr dem für ihn bestimmten Sitze, füllte den Pokal und sprach, diesen erhebend, das Festweihegebet, an das er unmittelbar ein inniges Dankgebet knüpfte dafür, daß der Herr ihn abermals gewürdigt, mit seinen Hausgenossen in Frieden und Wohlsein in der - Hütte weilen zu dürfen. Nachdem hierauf noch der Segensspruch über die Festbrote gesprochen worden war, begann die UÜahlzeit, die durch eine angenehme Unterhaltung gewürzt wurde. Zur Verlaufe derselben wandte Herr Goldstein sich an Hochfeld: