Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- 16 (1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 246 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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246 während der Festtage wurde bereitwilligst entsprochen — es war ihm auch vergönnt, diese Festeszeit im Kreise guter Menschen zu verleben. Mit seinem Hauswirt begab sich Hochfeld ins Gotteshaus, um dort in Andacht das Fest zu begrüßen. Das Gotteshaus, das er betrah war ehemals nicht zu dem Zwecke erbaut worden, den: es jetzt diente,!Bor Zeiten war das ganze altertümliche Gebäude ein Kloster, in dem Barfüßlermönche wohnten, weshalb der alters« graue Bau „Barfüßlerkloster" genannt wurde. Im rechten Flügel war in -er oberen Ttage ein großer Raum zum Abhalten des Gottesdienstes hergerichtet worden. Unwillkürlich erfaßte Hochfeld eine andachtsvolle Stimmung beim Betreten des von unzähligen Kerzen erleuchteten heiligen Raumes. Nach und nach hatten sich die Reihen mil fronnnen Betern gefüllt. Feierliche Stille herrschte allüberall, und eine ernste Festesst'imnmng lag auf jedem Angesichte ausgeprägt. Nichts störte die Andacht der Versammelten. Jeglicher schien sich dessen bewußt, daß er an eineni heiligen, geweihten Orte sich befinde, fern vom geräuschvollen Getriebe der Außenwelt. Anstand und Würde zeigten sich allerorten. Eben begann der Borbeter, gehüllt in seinen herabwallenden weißen Gebetmantel, das Festgebet, alle zum Preise des Höchsten auffordernd. Tief bewegt antworteten die in Andacht versammelten. Das Auge, vor wenigen Augenblicken noch verschleiert, scheu ausblickend, schaut jetzt verklärt, leuchtend und vertrauensvoll zum Allvater droben empor! Hier flehen sie alle, alle, die beladenen Herzens sind und nur des Lebens eisige Kälte an sich erfahren haben, aber auch alle, denen des Glückes Sonne ihre erwärmenden und belebenden Strahlen unausgesetzt sendet. Hier fühlen sich alle erwärmt, und wo ein kalter Reif das Herz umfangen hält, hier weicht er der Inbrunst des Festgebetes I Und inmitten all der Fronnnen stand auch Hochfeld, das Herz voll der widersprechendsten Gefühle, känipfend, rillgend um eine Antwort auf bange Fragen, um die Lösung eines geheinrnisvollen Räthsels. Auch er hatte den: Allvater droben etwas auzuvertrauen, auch er hatte vor ihm ein übervolles Herz auszuschütten, und er richtete aus den verborgensten Kanrmern seines Herzes heraus ein inbrünstiges Gebet zu ihm empor, ein Gebet, wie ein solches nie zuvor über seine Lippen geflossen: Gr flehte, daß der Allgütige, der Lenker des Geschickes, das Rätsel, vor denr er stand, zum Guten lösen, daß Tr auch über ihn „die Hütte des Herzensfriedens" ausbreiten möge! Der Gottesdienst war beendet. Trnst und in feierlicher Stille verließen die Andächtigen den gottgeweihten Rarnu, in dem eine so große Wandlung mit ihnen vorgegangen, um ihrer gemütlichen Häuslichkeit entgegen zu wandern.