Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- 16 (1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 245 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Eigarre ausreiche. In leutseligster Meise bewegte er sich unter den B^anM schäften, bis er vor Hochfeld stehen blieb, den: er wohl angesehen haben mag, daß er ein Neuling in der Kantine war. „Schmeckt Ihnen das Bier, mein Sohn?" — fragte herablassend der Major. „Ich danke, Herr Major", antwortete Hochfeld in militärischer Haltung, die aber trotz der Blühe, die sich Hochfeld gab, doch den rechten „Drill" ver- ,nissen ließ. Line Meile betrachtete der Major den Angeredeten, dem er es wohl anmerkte, daß er einen Mansch vortragen wollte. „Nun, mein Sohn, wünschen Sie etwas von nur?" fragte der Offizier. „Herr Major," begann Hochfeld mit fester Stinnne, „ich bin gestern als Lrsatzrekrut eingestellt worden und soll heute in der Marienkirche den Fahneneid leisten. Da ich Jude bin, kann ich diesen Lid nicht in einein nichtjüdischen Gotteshause schwören." Erwartungsvoll hatte der Sprechende auf seinen Borgesetzten geblickt, dessen Gesicht allmählich eine freundliche Miene annahm, und, Hochfeld auf die Schulter klopfend, sprach er; „Brav, mein Sohn, solcher Freimut und solch entschlossenes Eintreten für den Glauben berührt nüch aufs wärmste. Blochten doch alle Ihre Glaubensgenossen in meinem Bataillon in solcher Meise für ihre Religion eintreten. Ich bin stets gern, bereit, auf ihre Glaubens, satzungen möglichst Rücksicht zu nehmen! Nun, Ihr Munsch ist bereits erfüllt, noch ehe Sie ihn ausgesprochen haben. . Megen der geringen Zahl der den Fahneneid Schwörenden habe ich angeordnet, daß der Akt der Eidesleistung auf dem Kasernenhofe vorgenommen werde, wobei dein religiösen Bekenntnis des Einzelnen Rechimng getragen werden soll." Mer beschreibt die Freude, die Hochfeld bei dieser Mitteilung empfand! Mas er kaum zu hoffen wagte, war ihm über alles Erwarten hinaus gelungen. Nicht nur sah er seinen Munsch erfüllt, sondern er durfte auch des Mohlwollens seines hohen Borgesetzten sicher sein. Ja, Treue zum Glauben findet immer ihren Lohn. Der heiligt bedeutungsvolle Akt der Eidesleistung war bald vor sich gegangen. Die Eidesformel ist für alle Schwörenden dieselbe. Nur der Schlußsatz ist der einzelnen Eonfession angepaßt. VII. Kapitel. In der Laubhütte. Das schöne „Fest der Hütten" hielt seinen Einzug. Hochfeld begrüßte dieses Fest mit doppelter Freude. Er konnte nicht allein während den Festtage den Zwang, den ihn: die militärischen Dienstpflichten auferlegten, von sich werfen und frei sich bewegen, — denn seinem Gesuch um Befreiung vom Dienst