Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- 15 (1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 238 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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238 bemächtigt hätte. Dies war aber nicht der Fall. In dem Maße, als ihre Anzahl zusammenschmolz, in eben dem Maße kräftigte und befestigte sich in ihnen der Vorsatz, treu auszuharren bis auf den letzten Mann. Die Belagerung Bethars hatte bereits länger als ein Jahr gedauert, und auf beiden Setten viele Opfer gefordert. Da vermochten die Juden nicht länger widerstand zu leisten. Durch unterirdische Gänge, von Verrätern geführt, drangen die Römer in die Stadt, und am 9. Aw, an jenem alten Trauertage, an welchen: auch der erste und zweite Tempel Jerusalems gefallen war, fiel auch Bethar in die Hände der Römer. Ts folgten nun Blutscenen, gräßlich und schaudererregend, wie sie selbst bei der Zerstörung Jerusalems nicht vorgekommen waren. Das Blut ergoß sich stromweise bis in das eine Meile entfernte Meer. Über eine halbe Million Menschen hatte dieser Aampf gekostet. Auch Bar Rochba hatte in: Schlachtgewühls den Tod gefunden. Tin Rönter brachte fein Haupt dem Julius Severus und rühmte sich, ihn erschlagen zu haben. Severus aber antwortete, indem er von tiefer Rührung das Haupt betrachtete: Der ist durch Gottes Hand gefallen, Menschenkraft hätte nicht vermocht ihn: beizukommen. Nach dem Falle Bethars und des für den Messias gehaltenen Bar Aochba, ward das ganze Land im buchstäblichen Sinne des Wortes zur wüste geinacht. Uber Bethar ließ Julius Severus den Pflug führen, und auf den Trümntern Jerusalems wurde auf Hadrians Anordnung eine neue Stadt? aufgeführt, die Aelia Tapitolina genannt wurde. Der Name Jerusalem 1 sollte ganz der Vergessenheit anheimfallen. Dies die Absicht des römischen Herrschers. Daß er sie nicht erreicht hat, ist uns allen bekannt. Jerusalem war wohl gesunken, vergessen wurde es nicht. Sein Name lebt heute noch im Munde eines jeden Volkes und wird von den Bekennern aller Religionen mit Thrfurcht genannt. Edelmut. . In London giebt es viele sogenannte „Bootblacks" oder Stiefelputzer, die sich an Bahnhöfen, großen Postämtern und ähnlichen verkehrsreichen Orten aufhalten und Vorübergehenden, die beschmutzte Stiefel haben und dieselben wieder geputzt haben möchten, für einen Penny oder zwei diesen Dienst leisten. Die meisten derselben sind arme Anaben, die bereits der Schule entwachsen sind und leicht ganz verwildern oder verwahrlosen würden, wenn man sich nicht ihrer angenommen und versucht hätte, sie nützlich zu beschäftigen. Man 1 hat deshalb aus ihnen ein besonderes Aorps gebildet, „Boys Brigade", Anaben-Brigade genannt, deren Mitglieder schon von weitem an einer gewissen gleichartigen Aleiduug oder Uniform erkennbar sind. Da sie jedoch nur eine mangelhafte Trziehung und Schulbildung erhalten haben und sich Tag für