Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- 15 (1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 233 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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— 233 — Aber er gewöhnte sich nach und nach daran, so daß es ihm, als er auf Stube $, woselbst die „Instruktionsstunde" abgehalten werden sollte, angelangt war, schien, die Stiefel hätten an Gewicht verloren, pünktlich um sieben Uhr betrat der Sergeant die Stube, und nun begann eine jener Stunden, die dem angehenden Krieger des heiteren gar vieles boten, Stunden, aus denen jetzt noch immer Einzelheiten, mögliche und unmögliche, heiteres und Ernstes, an die Öffentlichkeit gebracht werden. Diese Instruktionsstunden, in denen die Soldaten gewissermaßen ihre wissenschaftliche militärische Ausbildung erhalten, gehören zu den schönsten Erinnerung des Soldatenlebens. Nach Beendigung dieser ersten Instruktionsstunde wurde der Befehl erteilt: „Um (0 Uhr antreten im Mrdonnanzanzuge zur Ableistung des Fahneneides in in der Marieneirche." Als Hochfeld diesen Befehl vernahm, schaute er nicht wenig befremdet darein, denn wie konnte man ihm zumulen oder gar anbefehlen, in einer christlichen Kirche einen heiligen Eid zu schwören? Entweder lag hier ein Irrtum oder eine Unachtsamkeit vor. Entschlossen trat er darum sogleich vor und sprach: „Herr Sergeant, ich kann in der Marienkirche den Fahneneid nicht leisten." — — „warum nicht?" „weil ich Jude bin!" „was hat den Ihr Judentum mit der Eidesleistung zu thun?" „Eine Eidesleistung ist eine religiöse Handlung, und eine solche kann ich unter keinen Umständen in einem nichtjüdischen Gotteshaufe vollziehen." „Nun, so werde ich es dem Hauptmann melden. Jedenfalls haben Sie aber, so lange nichts anderes befohlen ist, den eben vernommenen Befehl zu respektieren." Als darauf das Eonnnando: „weggetreten!" ertönte, ging Hochfeld schweren Herzens von dannen. So war er denn abermals in eine peinliche Lage geraten, wiederum standen sich Religionsgesetz und militärische Pflicht gegenüber, beide unweigerliche Befolgung fordernd. Durfte Hochfeld auch in diesem Falle auf eine günstige Lösung des Widerstreites hoffen? Sollte es ihm auch dieses Mal gelingen, feine militärische Pflicht zu erfüllen, ohne das Religionsgesetz zu übertreten?- __ (Fortsetzung folgt.) Briefmarken und Briefmarkensammeln. Daß es eine Zeit gegeben hat, in der keine Briefmarken existierten, dürfte den Erfahrenen unter euch jugendlichen Sammlern wohl bekannt sein. Die Briefmarke ist in der Chat ein Kind unserer Zeih wie die Eisenbahn, dieses gewaltige Verkehrsmittel, das uns in wenigen Stunden Hunderte von Kilo-