Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- 15 (1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 231 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nur eins fiel Hochfeld sofort auf. Die Tochter erinnerte mit keinem Zuge an die Eltern; das prüfende Auge suchte vergebens nach irgend welcher Familienähnlichkeit. Almas ganze Erscheinung war so anmutig, ihr Wesen so ansprechend, daß jeder, der üe auch nur flüchtig kennen lernte, sich zu ihr hingezogen fühlte. Die fesselnde Erscheinung des anmutigen Mädchens machte einen tiefen Eindruck auf Hochfeld. Sein Blick ruhte mit Wohlgefallen auf demselbenen, und mit Behagen lauschte er ihren Worten. Nach einer weile entgegnete er: „Die Worte, mit welchen Sie mich, einem Ihnen ganz Fremden, begrüßen, klingen so verheißungsvoll, daß ich eine glückliche Zeit in diesen: Hause zu verleben hoffe." „Sagen Sie nicht," erwiderte das junge Mädchen, „Sie seien mir noch ganz fremd. Der liebe Vater erzählte mir bereits von dem Unfälle, der ihm während meiner Abwesenheit zugestoßen ist, und auch von dem Liebesdienste, den Sie ihm bei dieser Gelegenheit erwiesen haben." „Für mich, mein Fräulein," entgegnete Hochfeld, „ist dieser an sich gewiß bedauernswerte Unfall gewissermaßen die Quelle meines Glückes geworden, da ich durch ihn die Bekanntschaft so lieber Menschen gemacht habe." „Ja, ja," hob hierauf der Hausherr an, „unser ganzes Leben ist fast eine ununterbrochene Rette von glücklichen und unglücklichen Zufällen, die uns gar zu oft plötzlich in vorher ungeahnte Verhältnisse hineinführen. Nun aber bitte ich, H>latz zu nehmen, danrit wir das Abendbrot verzehren." Dieser Aufforderung wurde alsbald Folge geleistet. Nach eingenommener Mahlzeit verblieben die Anwesenden noch einige Zeit beisammen, und Hochfeld wurde durch eine anregende Unterhaltung seinem freundlichen Gastgeber und dessen Angehörigen um vieles näher gerückt. In: Fluge waren die Abendstunden dahingerauscht, und als die Uhr die elfte Stunde schlug, begab Hochfeld sich auf sein Zimmer. Doch vermochte Hochfeld sich noch nicht zur Auhe zu begeben. Die verschiedenartigsten Eindrücke des Tages wirkten noch zu mächtig auf ihn ein. Noch nie wahlgenommenes, nie Geahntes hatte seine Gedanken erfüllt. Ein wonniges Gefühl hatte ihn erfaßt, als die wohlwollenden Augen seiner Gastgeber auf ihn: ruhten, So konnte nur ein Elternblick erwärmen und i tief ins Herz dringen. Und wie fühlte er sich vom ersten Augenblicke an | hingezogen zu diesen treuen Seelen. Und Aln:a, — wie hatten ihre braunen . J Augen ihn liebevoll angeschaut, als strahlte aus ihnen eine innige Schwester« | liebe ihm entgegen. Ein banges und zugleich süßes Gefühl hatte da sein Herz erfaßt und En:psindungen waren in ihm wachgerufen worden, die er - s bisher nicht kannte, über die er sich selbst nicht klar zu werden vermochte. Und doch, wie gern ließ er diese Empfindungen in sich wirken, die ihm einen f Blick in eine Welt gewährten, die im rosigen Lichte vor ihn: lag. Lange, | lange hatte er so selbstvergessen dagestanden, als er plötzlich durch den Wächter« f