Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- 15 (1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 230 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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230 nichts ausschlagen, was ih.n sein tos erleichtern könnte. „Sie können Ihr neues Quartier sogleich beziehen," sprach Herr Goldstein, darüber erfreut, daß sein Anerbieten angenommen wurde, Wenn Sie zurückgekehrt sind, werden wir das Abendbrot einnehmen." hochfcld hatte sich inzwischen erhoben, und nachdem er nochmals seinen Dank geäußert hatte, verabschiedete er sich. In der Kaserne angelangt, packte Hochfeld seinen Koffer, und von einem Stubengenossen begleitet, der ihm den schweren Koffer tragen half, ging er in die Stadt, um sein neues Quartier zu beziehen. Als er das in der Gsterftraße belegene Haus Goldsteins betrat, ahnte er nicht, welchen merkwürdigen Verhältnissen er hier begegnen werde.-- VI. Kapitel. JICma. Unterdessen hatte es sich Frau Gcldstein angelegen sein lassen, das für Hochfeld bestiimnte Wohnzimmer herzurichteu. Dieses Zimmer war recht behaglich eingerichtet. Bei seinem Eintritt fand er Frau Goldstein noch dabei beschäftigt, durch allerlei kleinere Vorkehrungen die Behaglichkeit des Zimmers möglichst zu erhöhen, worin die meisten Frauen eine so große Fertigkeit besitzen. Nachdem Hochfeld seinen Begleiter entlassen hatte, begab er sich mit seiner Wirtin ins Familienzimmer. hier fand er außer dem Hausherrn, der an dem wohlgedeckten Tische saß, eine junge Dame. Goldstein begrüßte ihn mit den freundlichen Worten: „Willkonnnen in meinem Hause!" Dann wandte er sich an die junge Dame, die mit dein Grdnen der auf dem Tische befindlichen Gegenstände beschäftigt war, indem er lächelnd sprach: „Liebe Alma, hier stelle ich Dir unfern Gast, Herrn Albert Hochfeld, vor, gegenwärtig königlich preußischer Rekrut, sonst Lehrer iit 2TT. Ich hoffe, daß auch Du bestrebt sein wirst, unserm neuen Freunde den Aufenthalt bei uns so angenehm wie möglich zu macheil." Dann fuhr er fort, indem er sich au Hochfeld wandte: „Dies ist unsere Tochter Alma." Das junge Mädchen verneigte sich und sprach: „Mein Herr, es soll mir eine Freude sein, zur Erleichterung Ihres gewiß harten Loses beizutragen." Hochfelds Augen hingeil wie gebannt an den Lippen der Sprchenden. Ihre liebliche Stimme erschien ihnl wie Zaubermusik. Welch herrliche Erscheinung war die Tochter seines Wirtes! Eine üppige Fülle schwarzen Haares wallte auf den Nacken hernieder, und dunkelbraune Augen, aus denen Milde, Güte und Sanftmut strahlten, blickten ihn freundlich an.