Mannheim
Compact Memory

Israelitischer Jugendfreund · 1897-01-01 · 15 (1897) · p. Seite 229

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
3 (1897)
Issue
15 (1897)
Date
1897-01-01
Page
Seite 229 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/9620171-9626621-9621910--0683-9621915
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

229 „Lines Dankes, lieber Herr, bedarf es nicht, "entgegnete Hochfeld, „was ich gethan habe, ist allgemeine Menschenpflicht. Ihrem Bedenken betreffs meiner Zeit habe ich entgegenzusetzen, daß dieselbe augenblicklich nicht mir, sondern meinen, Raffer gehört nnd ich war eben im Begriffe, die mir gelassene freie Zeit meinen persönlichen Angelegenheiten zu widmen." „Seit wann sind Sie Soldat?" fragten Herr und Frau Goldstein zu gleicher Zeit. „Erst seit den, heutigen Morgen." „Sie werden sich nicht leicht an das Soldatenleben gewöhnen," warf die Hausfrau ein, die ihren Gast innner aufn,erksamer zu betrachten schien, und ihren Blick nicht von, ihn, abwandte. „Gewiß," entgegnete Hochseid, „aber ich bin gern Soldat geworden, und dann habe ich auch schon einen kleinen Vorgeschmack von den,'Militärleben in, Seminar bekonnnen." — „)hr Ausgang war also kein zweckloser Spaziergang," fragte Herr Goldstein, „sondern Sie halten ein bestinm,tes Ziel, eine gewisse Absicht." „Ja," erwiderte Hochfeld, „ich beabsichtigte mich den, hiesigen jüdischen Lehrer vorzustellen, um seinen Rat und seinen Beistand wegen eines Rosthauses zu erbitten, in welchen, ich während n,einer sechswöchigen Dienstzeit speisen, vielleicht auch zugleich wohnen könnte." „Sie dienen nur sechs Wochen?" „So ist es. Auch als jüdischer Lehrer habe ich die Vergünstigung, nur sechs Wochen bei der Fahne dienen zu brauchen. 'Sie werden begreifen, daß ich in der Raserne nicht speisen kann. Ich habe auch vom Hauptmann heute, jedoch erst nach einer längeren Auseinandersetzung, die Erlaubnis er« halten, aus der Menage zu treten, und ein Bürgerquartier zu beziehen. Ich kann zu meiner Freude hinzufügen, daß ich auch für die anderen Glaubensgenossen n,einer Ron,pagnie die Erlaubnis zun, Austritt aus der Menage erwükt habe." „Das zu erfahren, ist sehr erfreulich," sprach Herr Goldstein, und nach dem er mit seiner Frau einen Blick gewechselt, fuhr er fort: „Herr Hochfeld, ich möchte mir gestatten, Ihnen einen Vorschlag zu machen. Wie wäre es, wenn Sie während Ihrer Dienstzeit bei uns Wohnung nehmen würden, wir haben Räumlichkeiten genug, um Sie zu beherbergen. Auch könnten Sie bei uns speisen, das heißt, wenn Ihnen das genügt, was unsere Rüche bietet. Ich gebe Ihnen die Versicherung, daß Sie in religiöser Hinsicht keinerlei Bedenken zu tragen brauchen, da wir einen streng jüdischen Haushalt führen." Hochfeld war hocherfceut über dieses unerwartete Anerbieten und antwortete gleich: „Ich danke Ihnen von Herzen für Ihre Güte, von der ich gewiß Gebrauch machen werde. Lin guter Soldat darf nicht schüchtern sein, und

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.