Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- 15 (1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 228 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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228 suchen. Er mußte hierbei darauf Rücksicht nehmen, ein Quartier mit voller Beköstigung zu bekommen, da in 0. keine Gastwirtschaft war, in der er eine den Religionsvorschriften entsprechende Verpflegung erwarteu konnte. Er lenkte seine Schritte zunächst zu dem jüdischen Lehrer in 0., dessen Rat er sich erbitten wollte. Auf dem Wege zu diesem bemerkte er plötzlich einen älteren Herrn, der, an einen Laternenpfahl sich stützend, schmerzlich stöhnte und nahe daran war, umzusinken. Hochfeld eilte sofort hinzu, dem Unglücklichen, auf dessen Angesicht Totenblässe lag, seine hülfe zu leihen.;Aaum hatte dieser mit schwacher Stimme die N)orte hervorgebracht: „Ich bitte Sie, — geben Sie — mir ihren Arm, und geleiten Sie mich — nach meiner nahen Wohnung," so hatte Hochfeld ihn auch schon mit seinem rechten Arm unrschlungen und führte ihn so in die Wohnung des Erkrankten, die dieser ihm durch Geberde bezeichnete. Die Wohnung lag zu ebener Erde. An einem der Fenster, die auf die Straße führten, saß die Gattin des Aranken. Als sie die deiden wänner komnren sah, sprang sie entsetzt . auf und eilte ihnen entgegen. „Um Gotteswillen, Josef, was ist geschehen?" rief die Frau, die Hände ringend. Der Angeredete, der sich inzwischen em wenig erholt und sich in einen Lehnstuhl uiedergelassen hatte, antworete mit schon etwas kräftigerer Stimme seiner geängstigten Frau: „Es ist mir gottlob schon etwas besser, liebe winna, mich hat wieder und zwar auf osiener Straße, einer jener 0humachtsanfälle überrascht, von denen ich mich schon gänzlich befreit glaubte. Ich fühle mich bereits etwas wohler." In der That nahm Herr Goldstein, welchen Namen Hochfeld anf dem an der Stubenthüre befindlichen Schilde gelesen hatte, eine heitere wiene an, wodurch die erschreckte Frau wieder beruhigt wurde. „Diesem Herrn," fuhr Herr Goldstein fort," bin ich zu großem Danke verpflichtet, da er mir in meinem hilflosen Zustande so bereitwillig und kräftig seinen Beistand geliehen hat." „Bitte, nehmen Sie zuvörderst j)latz, mein Herr," wandte sich der Hausherr an Hochfeld, einen fragenden Blick auf ihn werfend. Hochfeld verstand diesen fragenden Blick, und er entgegnete: „wein Name ist Hochfeld, ich bin Lehrer in w." „Es freut mich außerordentlich, Ihre werte Bekanntschaft zu machen, die ich einem leider so unangenehmen Ereignis verdanke," sprach Herr Goldstein, freundlich nickend; und nachdem er einen stärkenden Trunk zu sich genommen, den seine Gattin ihn: mittlerweile bereitet hatte, fuhr er fort: „Nun, anein lieber Herr Hochfeld, empfangen Sie ineinen innigen Dank für Ihre Hilfsbereitschaft. Nur bedaure ich, Ihnen vielleicht eineil Teil Ihrer kostbaren Zeit geraubt zu haben."