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Israelitischer Jugendfreund · 1897-01-01 · 14 (1897) · p. Seite 222

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
3 (1897)
Issue
14 (1897)
Date
1897-01-01
Page
Seite 222 (sequence 14)
Language
German
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222 Schiffer, ^ch sah gestern am späten Abend mit andern Schiffern dort am Telegraphen, wir hatten vorher die Barken ans Ufer gezogen, weil Sturm bevorstand. Ls war schwarze Rächt geworden. Mein alter Vater erzählte seltsame Geschichten von dem Seeräuber Barbarossa; aber allinählich schlugen die Wellen so laut ans Ufer, daß wir nicht mehr hören mochten, und ihm selber das Wort iin Munde versagte. Auf einmal fuhr der Blitz aus den Wolken; Herr des Himmels, wie hoch ging die See! „Gebe Gott," sagte inein Vater, „daß jetzt niemand auf dem Wasser sei." — „Aber es sind Menschen auf dem Wasser!" schrie ich; „in diesen; Augenblicke Hab' ich einen Schrei von der See her gehört. Horch, jetzt wieder! Großer Gott! ich muß hinunter!" — „Ls ist nichts," sagtm die andern. „Ls ist der wind, der pfeift, willst Du besser hören, als wir?" —?jetzt vernahm ich den Schrei Zum dritten Male, aber schwächer; ich Zitterte an allen Gliedern, „wer geht mit?" schrie ich; „ich muß hinunter." — „Ls kann jetzt nieinand aufs Meer," sagte mein Vater. „Geh' nicht, es ist Dein Tod." — „Geh' nicht!" riefen die andern; „wir kommen iiicht mit Vir." — „^jhr wollt niir nicht beistehen? So wird Luch Gott nicht beistehen in der Todesnot. Liner muh mit; ich kann ja die Barke nicht allein ins Wasser schaffen." — „Rein, Vu bleibst!" riefen sie; mein Vater hielt mich am Arme, ^jch ritz mich los, faßte den Angelo, einen der jüngsten, bei der Hand und nahm ihii mit mir fort. LH uns noch die andern eingeholt hatten, war die Barke in die See geschoben, und wir steuerten grade in die Rächt hinaus, ^ch höite die Stimme meines Vaters vom Ufer her. „Zort!" sagte ich Zu Angelo; „halte vich gut am Steuer!" ZreUder. wie kaint sthr mit der kleinen Barke durch die hohen Wellen? Schiffer. Sie ging wie eine Rußschale auf und ilieder, aber wir kainen vorwärts. Bald vernahmen wir ein wimniern und Stöhnen; wir fuhren darauf zu, und siehe! drei Menschen trieben mehr tot als lebendig auf dem Wasser. Ji) sprang über Bord und holte einen nach dein andern, wie tot lageii sie in der Barke. Lndlich farnen sie wieder Zu sich, und einer fragte iiach seinem Sohiie. va sprang ich wieder ins Wasser und suchte da und dort; die Blitze leuchteten mir. Bald gewahrte ich die uingestürzte Barke der Männer, die dunkel aufuiid niedertauchte. An dem Kielende hing eine Gestalt; es war der Knabe, der es so fest uniklammert hielt, daß ich ihii kaum loszureihm vermochte, ^jch nah:n ihn wie einen Toten in ine'meii Arm und schwanim mit ihm nach meiner Barke, die mir unterdessen fast aus dem Gesichte gekoiiliiien war. Als wir iiach dem Ufer Zurückjuhren, erzählten die Männer, sie seien am Morgen mit wein von Baja nach Risita gefahren uiid hätten ihn für siebenunddreihig vukati an zwei Wirte verkauft. „Und wo sind die siebenunddreihig vukati?" fragte ich. „wir haben sie unter die Prora (Vorderteil des Schisses) gesteckt," antworteteii sie, „uiid sie sind mit-der Barke verloren." Vas GeV, dachte ich, findet sich vielleicht auch noch. Ghne

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