Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- 14 (1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 220 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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220 würfigkeit zu erhalten. Noch während Trajan sich auf diesem Zuge befand, gelang es einigen volksstämmen, sich wieder frei zu machen. Auch die Juden waren durch die maßlose Bedrückung der Römer zum Aufstande getrieben worden und suchten die ehemalige Selbständigkeit wieder zu erringen. An vielen Orten kam es zu offener Empörung; von den Zudengemeinden am Euphrat wurde das Zeichen zum Aufstande gegeben, und bald schloffen sich die Glaubensbrüder aller anderen Provinzen an. Es fehlte jedoch an tüchtiger, einheitlicher Leitung, und es gelang den Römern bald, die Bewegung zu unterdrücken. Bevor jedoch die Ruhe noch vollkonmren wieder hergestellt war, starb Trajan im Zahre 117, und fein verwandter, Hadrian, folgte ihm in der Regierung. Vieser stellte sich anfangs freundlich gegen die Juden, ja, er machte sogar glauben, als hätte er eine besondere Vorliebe für ihre Religion. Er versprach auch, den Aufbau des Tempels in Jerusalem zu gestatten, und fast hätte er durch dieses Vorgehen die Gemüter besänftigt und mit dein Ge danken an die römische Oberherrschaft ausgesöhnt. Der in Aussicht gestellte Tempelbau nahm bald die ganze Thätigkeit der jüdischen Gemeinden in Anspruch. Wit regem Eifer wurden die nötigen Vorbereitungen getroffen. Alan schickte Boten an die verwandten Glaubensbrüder in der Ferne, und von allenthalben langten reiche Beiträge ein, um das große Werk zu fördern. Da auf eimnal legte Hadrian feine Waske ab. Der Ban des Tempels wurde untersagt, und bald stellte es sich heraus, daß Hadrians frühere Freundlichkeit nur Heuchelei gewesen, und daß sein Bestreben nur darauf gerichtet sei, die Nationalität der Juden zu vernichten. — Ihn: genügte es nicht, als weltliches Oberhaupt über die Zuden zu herrschen, er gedachte auch, ihre religiösen Einrichtungen nach eigenenr Gutdünken umzugestalten. Das brachte die Juden abermals zu verzweifelter Gegenwehr. Als man ihnen bei einer Volksverfannnlung im Thale Bet-Rimon das kaiserliche Schreiben vorlas, in welchem der Tempelbau untersagt wurde, brachen sie alle in Thränen aus. Es trat ihnen die Überzeugung vor die Seele, daß ein neuer Aampf uuvermeidlich sei, und zwar ein Kampf nicht sowohl um die Erlangung ihrer politischen Freiheit, als vielmehr um 6cu Fortbestand und die freie Ausübung ihrer Religion. Den gläubigen Juden schien es nicht denkbar, daß die Stätte, die Gott selbst zu seinen! Wohnsitze erwählt hatte, auf lange Zeit des nationalen Heiligtwns entbehren solle. Auch hielt inan allgemein den Zeitpunkt für nahe bevorstehend, in welchem der verheißene Wessias als Erlöser des Volkes erscheinen werde. Wan dachte sich ihn nach dein Bedürfnisse des Augenblickes vor allein als Wann von hervorragender kriegerischer Begabung, der nach den Worten des Propheten Thaggai „Umstürzen wird die Throne der Reiche uiid vernichten wird die Wacht der heidnischen Herrschaft." Ls war nun kein Wuiider, daß man denjenigen für den wirklich voii Gott gesandten Wessias hielt, bei denr sich diese Eigenschaften vorfanden, und der sehnsüchtig