Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- 14 (1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 219 (sequence 11)
- Language
- German
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— 210 — wie Ulenschen einander zerfleischeil, oder wie sie von wilden Deren zerfleischt werden. Und welcher Nation galt dieser Triumph der Römer? — Auf den Denkmünzen, die zur Erinnerung an den neuerfochtenen Sieg geprägt worden, finden wir die Auskunft. Wir sehen auf denselbeli eine Frau dargestellt, die trauernd unter einer Palme sitzt; ein triumphierender Arieger steht neben ihr, und als Unlschrift Iefeu wir die Worte: Judäa capta, „das gefangene Judäa". Es war also die jüdische Nation, die endlich den römischen Waffen erlegen, und die Imperatoren Vespasian und Titus teilten sich in die Ehren des Tages. Was der erstere begonnen, hatte der letztere zum Verderben der Juden beendet. Jerusalem war gefallen; die anderen festen Plätze in Judäa hatten dessen Schicksal geteilt, und Titus war mm heimgekehrt, um seinem Vater Rechenschaft zu geben von seinen Thaten. Der dankbare Senat hatte ihm zu Ehren Öen eben geschilderten Triumphzug veranstaltet. Judäa war eines der letzteren uilter den Ländern, welche den Eroberungsgelüsteli der Römer zum Opfer gefallen waren; aber obschon es eines der kleinsten unter den besiegtell Völkern war, so galt den Römern doch der Sieg über diese Nation mehr als viele, die sie schon erfochten hatten; denn es war ein Volk voll unerschütterlichen Blutes, das hier mit beispielloser Tapferkeit gerungen hatte für das heiligste der Güter, für die religiöse und nationale Freiheit. Selbst die Römer, seine Feinde, mußten es ihm zugestehen, daß ihnen mit solcher Todesverachtung noch kein Feind gegenübergestanden. Wohl wäre diese Heldentugend eines bessern Erfolges würdig gewesen, doch im Ratschlüsse des Himmels war es anders bestimmt. So war sein heiligtmn zerstört, die ihm geweiheten Tempelgefäße von den Siegern als Beute mit nach Rom geführt worden. Judäa war wie entvölkert; ein großer Teil war ausgewandert und hatte sich in Babylon, auf Typern, in Ägypten oder Ayrene niedergelassen. Nur wenige Getreue waren in Judäa zurückgeblieben und beugten sich geduldig unter das harte Joch der Römer, um sich nur nicht von dem Erbe der Väter trennen zu müssen. Den Römern schien es hinreichend, in den: verödeten Lande eine geringe Besatzung zu lassen; denn sie hielten die Juden nunmehr völlig besiegt und ihren Wut für ganz gebrochen. Daß sie sich aber hierin arger Täuschung Hingaben, beweisen die Vorgänge in den nächstfolgenden 50 Jahren. In der Herrschaft über das römische Reich war auf Titus dessen Bruder Domitian gefolgt, nach ihm hatte der greise Nerva und endlich im Jahre 98 der Spanier Trajan die Regierung übernommen. Durch einen Zug, den dieser letztere nach Asien unternahm, gedachte er sich, wie einst der große Wacedonier, unsterblichen Ruhm zu erringen. Er besiegte auch wirklich die parther und kämpfte mit Glück gegen die Völker am Euphrath und am persischen Uleerbusen. Es war jedoch leichter, mit einer krieggewohnten, überlegenen Heeresmacht Völker zu besiegen, als sie in dauernder Unter-