Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- 14 (1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 218 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/9620171-9626621-9621893--0671-9621903- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
218 kennt man an ihrer tage, wie den furchtbaren Tiger im Augenblick, als er seine Beute ergriffen, mit dieser zugleich das verderben erfaßte, wie der Raubvogel, gekommen, um von der frischen teiche zu zehren, im Genuß vom Tode ereilt wurde. Ganze Haufen toter Käfer, Ameisen und anderer Insekten liegen dazwischen. Es ist das Thal des Todes oder Giftthal der Eingeborenen. Die Furchtbarkeit beruht auf den Ausdünstungen des Bodens, in kohlensaurem Gase bestehend, welches seiner schwere wegen langsam in der tust sich zerstreut. Gerade wie in der berühmten Hundsgrotte bei Neapel, in der Dunst- Höhle bei Pyrmont, bringt diese Gasart jedem, der dem Boden sich nähert, unausbleiblichen Erstickungstod, der aufrechte Mensch aber geht ungefährdet über die öden Strecken. VOk auf dem himalaya die Eingeborenen das er schwerte Atemholen auf den 15 und 16000 Fuß hohen Alpenpässen der Ausdünstung giftiger Kräuter zuschreiben, so wurden in der Zage die Grauen der Todesthäler mit den Wirkungen des Antjargiftes und der gefährlichen Berührung des Pohon Up..s verbsnden. Simon bar Aochba. (Jrir die reifere Jugend.) Wieder wurde in Rom der Lieg über eine unterjochte Nation gefeiert. Mächtige Triumphbogen waren errichtet worden, und durch dieselben zogen die stolzen Lieger an der Lpitze ihrer Legionen. Aus den: Blicke eines jeden Kriegers leuchtete das Bewußtsein, dett Ruhm der römischen Waffen erhöht zu haben, und die schaulustige Menge, die sich herangedrängt hatte, jubelte den tapferen Löhnen des Vaterlandes laute Bewunderung zu. Kaum wußte man, wohin die Blicke zu richten, ob auf die heimgekehrten Krieger, denen kostbare Liegestrophäen als Zeichen der bewährten Tapferkeit vorangetragen wurden, oder ob auf die Gefangetten, die im Triumphe mit aufgeführt wurden. Diese letzteren folgten in einen: großen Zuge, etwa 700 an der Zahl, lauter kräftige, wohlgebaute Gestalten, die noch nicht das Jünglingsalter überschritten hatten. Aus ihren dunklen Augen mochte einst Mut und Unerschrockenheit geleuchtet haben, jetzt war nur Todesverachtung darin zu lesen. Für sie hatte die Weltstadt, die sie das erste Mal betraten, nichts Sehenswertes, ihr Geist schien abwesend, mit fernen Gegenständen beschäftigt, und fast willenlos folgten sie ihren Führern. An der Lpitze der Gefangenen schritt der ehemalige Anführer derselben, tief gebeugt durch das herbe Geschick, das ihm nicht einmal den ehrenvollen Tod m der Schlacht gegönnt, sondern ihn aufgespart hatte, damit er die Schmach seines Volkes mit eigenen Augen sehe. Er wußte wohl, war ihnen allen bevorstand; ihn selbst erwartete der schmähliche Tod durch Henkershand, seine Getreuen dagegen waren bestinnnt, im Zirkus die Römer durch das entsetzliche Schauspiel zu ergötzen,