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Israelitischer Jugendfreund · 1897-01-01 · 14 (1897) · p. Seite 217

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
3 (1897)
Issue
14 (1897)
Date
1897-01-01
Page
Seite 217 (sequence 9)
Language
German
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217 am Stabe aus dichtem Dickicht wandernd, der melancholische Orang-Utang. Überall ist reiches Leben und weit entfernt von dem öden, schweigsamen Charakter vieler amerikanischer Urwälder. Hier umschlingt ein sich windender und kletternder Strauch mit armdickem Stamm die Säulen des Doms, die höchsten Bäuine überwuchernd, oft von der Wurzel an in einer Länge von 100 Fuß völlig einfach und astlos, aber mannigfach gewunden und gekrümmt. Die großen, glänzend grünen Blätter wechseln mit langen, starken Banken, mit denen er sich festklannnert; weiche Dolden grünlich weißer, wohlriechender Blumen hängen von ihm herab. Diese Pflanze, der Familie der Apocyneen angehörig, ist der Tjettek der Eingeborener:, aus dessen Wurzel das furchtbare Upas Badja (Fürstengift) bereitet wird. Auf eine leichte Verwundung von einer damit vergifteten Waffe, einen: kleinen Pfeile aus hartem Holze, fängt der Tiger an zu zittern, steht unbeweglich eine Ucinute da, stürzt dann plötzlich, wie von einem Schwindel ergriffen, auf den Bopf und stirbt in kurzen: unter heftigen Zuckungen. Der Strauch selbst ist ungefährlich, und kein Bachteil trifft den, dessen Haut mit seinen: Safte in Berührung kon:n:t. Aber gehen wir weiter, so überragt ein schlanker, schöner Stanm: die benachbarten Pflanzen. Völlig Zylindrisch steigt er 60 bis $0 Fuß astfrei und glatt in die Höhe und trägt eine zierliche halbkugelige Brone mit länglich eiförmigen, lederartigen Blättern, die stolz auf die niedere:: Gewächse unter ihr herabblickt. wehe den:, der unvorsichtig seinen aus leicht verletzter, weißlich grauer Binde hervorquellenden Ulilchsaft mit seiner Haut in Berührung bringt. Große Blasen und schn:erzhafte Geschwüre sind die unausbleiblichen Folgen. Dies ist der Antjan der Iavanen, der j?ohon Upas (Giftbaun:) der Ulalaien, der tzpe auf Telebes und den Philippinen. Von ihn: ftannnt das gewöhnliche Gift (Upas) für die pfeife der Sunda-Insulaner, das übrigens jetzt meistens den: Feuergewehr gewichen ist. Noch bändigt übrigens kein Heilnüttel die Wirkungen dieser Gifte, als verderbliche Rätsels stehen sie feindlich den: Menschengeschlecht entgegen, auch von ihrer Seite den Satz bestätigend, daß die hellen Lichter der tropischen Natur ebenso schwarze Schatten neben sich bedingen, und daß mehr als ein Drache diese Gärten der Hesperiden bewacht.. Nicht minder merkwürdig als diese Gewächse ist das Giftthal Pöcheng auf Zava. Aus den: Dickicht des Urwaldes hervortretend, erklettert man einen n:äßigen Hügel, und plötzlich breitet sich in grauenhafter Wildnis ein wahres Hoflager des Todes, ein schnmles, flaches Thal vor den Blicken des entsetzten Wanderers aus. Beine Spur eines Pflanzenwuchses bedeckt die nackte, von der Sonne ausgedörrte Erde. Skelette von Tieren liegen am Boden. Oft er- *) Rach der neueren Botanik gehören die ebett beschriebenen Wirkungen des Upas in das Reich der Fabel. ^)er Kern der tvahrheit ist, daß' der Saft des Baumes Upas' unter Boraussetzung der Zumischung anderer Substanzen, eme giftige Masse abgiebt.

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