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Israelitischer Jugendfreund · 1897-01-01 · 14 (1897) · p. Seite 215

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Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
3 (1897)
Issue
14 (1897)
Date
1897-01-01
Page
Seite 215 (sequence 7)
Language
German
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„Sie sind also Jude?" fragte -er Haupt,nann. „Ich hoffe, -aß Sie auch als solcher den Anforderungen, die ich an alle meine Leute stelle, gerecht und sich möglichst bestreben werden, ein pflichteifriger, musterhafter Soldat zu sein." „Vas verspreche ich," entgegnete Hochfeld mit fester Stimme. „lind nun, Hochfeld," sprach der Haupt,nann, auf die dainpfenden Schalen deutend und sich anschickend, die Stube zu verlassen, „essen Sie jetzt Ihr Wittagbrot." Hochfeld hoffte aber allen Angelegenheiten betreffs des Essens aus dem Wege zu gehen, indem er seine Portion seinem Nachbarn hatte zuweisen wollen, der gewiß nicht wenig erfreut über die Verdoppelung seiner Wittagsportion gewesen wäre, in deren Vertilgung derselbe in, taufe der schon zurückgelegten Dienstzeit eine erstaunliche Fertigkeit erlangt hatte. Doch der ge,„eine Soldat denkt und — der Hauptmann lenkt. Hochfeld war fest entschlossen, alles aufzubieten, um die Speisen, deren Genuß ihm religionsgesetzlich untersagt war, nicht zu sich nehinen zu brauchen. Er raffte sich auf, und mit aller ihm zu Gebote sichenden Willenskraft sprach er! „Herr Haupt,nann, ich esse nicht!" „Warum weigern Sie sich zu essen?" erwiderte stirnrunzelnd der Vorgesetzte, „ich hoffe, daß Sie ineine Befehle respektieren werden und wissen, welche Strafen ein vergehen gegen die Subordination nach sich zieht." Jetzt war für Hochfeld der Augenblick gekommen, da er den schweren Aampf, der sein Herz bedrückte, ausfechten nmßte, und wo es sich entscheiden sollte, ob er seiner Religion ein Opfer bringen müsse, un, sich nicht einer Subordination schuldig zu machen. „Herr hauptinann, ich darf nicht essen!" rief er entschlossen. „Sie dürfen nicht essen?" fragte jetzt verwundert der Haupt,nann, „wer verbietet Ihnen denn, was ich Ihnen geradezu anbefehle?" „Wein Religionsgesetz!" war die Entgegnung, „dieses darf ich, wenn eben die Möglichkeit vorhanden ist, nicht übertreten." „Also weil Sie Jude sind, dürfen sie diese Speise nicht genießen? Ich habe doch mehrere Leute Ihres Glaubens in meiner Kompagnie, die solche Bedenken nie geäußert und stets in der Ulenage gegessen haben?" „Ich glaube, Herr Hauptmann," erwiderte nun Hochfel-, etwas ,nehr ermutigt durch den ruhigen Ton, den fein Vorgesetzter jetzt anschlug, „alle diese Leute oder wenigstens ein großer Teil haben das Religionsgesetz, das ich stets heilig gehalten habe, nur übertreten, weil sie sich scheuten, sich an die menschenfreundliche Gesinnung der Herren Vorgesetzten zu wenden." „Hochfeld," begann nun nach kurzen. Besinnen der freundliche haupt- ,naun, „ich respektiere Ihre Bedenken, ich achte Ihre Religionstreue. Wer so seinen Religionsgesetzen die Treue bewahrt unter allen Umständen, der wird

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