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Israelitischer Jugendfreund · 1897-01-01 · 14 (1897) · p. Seite 214

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
3 (1897)
Issue
14 (1897)
Date
1897-01-01
Page
Seite 214 (sequence 6)
Language
German
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214 Der Offizier ließ seinen Blick über den Tisch schweifen, um die Anzahl der Schalen festzustellen. „Ich sehe hier zwölf Schalen auf dem Tische, ist denn noch ein zwölfter wann hier?" fragte der Offizier. „Zu Befehl, Herr Hauptmann, es ist ein Schullehrer, der heute auf diese Stube gebracht worden ist," lautete die Antwort. Hochfeld hatte inzwischen seinen Borgesetzten schärfer ins Auge gefaßt, und er glaubte, in dessen wienen eine gewisse Gutmütigkeit lesen zu dürfen. Dies beruhigte ihn, denn eine Borahnung hatte plötzlich sein Herz beschlichen, daß er jetzt einen Kampf zu bestehen haben werde. Doch gewann er bald die Überzeugung, daß er bei diesem Borgesetzten als Sieger aus dem Kampfe hervorgehen werde, wenn er nur die geeigneten Wittel anwenden werde. Der Hauptmann warf einen prüfenden Blick auf die in militärisch strammer Haltung vor ihm stehende Soldatenreihe. Hochfeld ahmte diese Haltung, so gut es eben ging, nach. Sein Gifer muß jedoch von recht zweifelhaftem Erfolge gewesen sein, denn der scharfe Blick des Hauptmanns erkannte ihn gleich als den Betraten, der in die Geheimnisse des wilitarismus noch keinen tiefen Blick gethan haben konnte. Der Hauptmann ging zu ihn: heran und sprach: „Sie sind also der zwölfte? — Sie sind Schul.nntskandidat . .?" „Jawohl Herr hauptinann," antwortete der Gefragte. „wann sind Sie eingetreten?" „Diesen Bormittag, Herr Hauptmann." „Sie gehören za meiner Kompagnie?" „Zu Befehl, Herr Hauptmann." „wie heißen Sie?" „Hochfeld, Herr Hauptmann." „Ls ist Ihnen wohl sehr unangenehm," fuhr der Hauptmann leutselig und freundlich fort, „Soldat sein zu müssen. Zn Ihrer Schule hatten Sie zu befehlen. Jetzt befehlen Ihnen andere, und Sie müssen sich diesen Befehlen unbedingt unterwerfen." „Ls ist mir keineswegs unangenehm, Soldat zu sein," entgegnete Hochfeld bestinnnt, „ich bin geradezu stolz darauf, meinem allergnädigsten Kaiser dienen zu müssen." „weshalb betonen Sie besonders das Wort „müssen"? fragte der Hauptmann. „Die Zeit, da die allgemeine Wehrpflicht sich noch nicht, auf Angehörige meines Glaubens erstreckte, ist noch nicht lange vorüber, während die Juden früher im Heere dienen konnten, von welcher Erlaubnis sie auch den ausgedehntesten Gebrauch machten, wie die Freiheitskriege beweisen, müssen sie jetzt gleich allen anderen Staatsbürgern der Wehrpflicht genügen. Diese GleichbereckNiauna erfüllt uns mit freudigem Stolz."

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