Mannheim
Compact Memory

Israelitischer Jugendfreund · 1897-01-01 · 14 (1897) · p. Seite 213

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
3 (1897)
Issue
14 (1897)
Date
1897-01-01
Page
Seite 213 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/9620171-9626621-9621893--0666-9621898
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

213 betrachtete sich von allen Seiten mit komischem Erstaunen, denn er sah aus, — o, fraget nicht: wie?- Um dreiviertel zwölf Uhr sollten die Schulamtskandidaten auf denr Aasernenhofe antreten. hier standen schon Hochfelds Kollegen, jetzt „Kameraden". Sie begrüßten und bewunderten sich gegenseitig mit einem schalkhaften Lachen und wetteiferten alle im erfolglosen Kampfe gegen die die Kehle einschnürende Binde. Eben war der zu ihrer Ausbildung bestimmte Sergeant genaht, und er befahl, nach der Größe anzutreten. Den rechten Flügel des acht Ulann zähleirden Gliedes bildete der Kandidat Waldenburg, ein Ulaun von ungewöhnlicher höhe, die ihm jedoch nur auf Kosten seines Umfanges geworden war. Hochfeld dagegen bildete als der kleinste von allen den linken Flügel, und seine „Wenigkeit" verscknvand ganz gegen die höhe seines Kameraden vom rechten Flügel. Er hatte stets den Kopf tief in den Nacken zu legen, wollte er ihm ins Angesicht schauen, woran ihn jedoch immer wieder die fatale Binde hinderte. Er mußte sich daher, wenn er ihn anredete, mit einem Augenaufschlage begnügen, worin er gar bald eine so gewaltige Übung erlangte, daß ihn mancher Ulucker wegen seiner Gewandtheit beneidet hätte. Nach erfolgter Ulusteruug ihrer Anzüge entließ der Sergeant seine Zöglinge. IV. Kapitel. Knr Kr-folg. Eben war der Appell beendet, als der Hornist da., Zeichen zum Ulittagesten gab. Alles stürmte die Treppe hinab, um in flachen Schale)! das Esten zu holen. Das war plötzlich ein Leben und Treiben! Treppab gingen die leeren Schalen, treppauf die gefüllten, hier fragte der eine: „Was giebts heut zu Ulittag?" Dort antwortete ei» anderer: „Erbssupp'!" wozu ein anderer spöttisch bemerkte: „Ne, Erbswasser mit schwimmenden Speckflschen." Als Hochfeld seine vorher verlassene Stube wieder betrat, sah er den in der Uutte stehenden Tisch mit etwa einem Dutzend Schalen bedeckt, die nüt jenem Etwas angefüllt waren, das soeben als Erbssuppe bezeichnet wurde. Auch für Hochfeld war gesorgt worden, denn man hatte auch ihn: eine Schale mit jener dampfenden Flüssigkeit verschafft, die einen Geruch verbreitete, als hätte sie eine gar zu innige Berührung mit des Feuers Glut erfahren. Eben waren die Ulannschaften in, Begriff, sich an dem „Köstlichen" zu erlaben und dem gewaltig knurrenden Blagen Buhe zu gebieten, als plötzlich die Stubenthür aufging und ein Offizier eintrat. „Achtung!" erscholl es laut. Und wie emporgeschnellt standen alle plötzlich in stranuner Haltung. Der Stubenälteste meldete: „Stube 33, belegt mit l 1 Ulann der achten Kompagnie, der vierten Korporalschaft."

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.