Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- 14 (1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 212 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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212 büßen. IDo mochten alle diejenigen sein, welchen dieses Kleidungsstück gedient, an meieren Orten, in welchen Stellungen? Wird nicht schon gar mancher zur ekbigen Ruhe eingegangen sein, mancher ein Leben voll Leid und Schmerz führen, weil auf dem Schlachtfelde eine feindliche Angel ihn zum Invaliden gernacht? — — 3it diese Gedanken war Hochfeld bei Betrachtung des eben empfangenen Beinkleides versunken, als ihn plötzlich ein Zuruf des Sergeanten aufschreckte: „Jetzt kommt der Waffenrock!" Bann holte er aus einer arideren Ecke einige Röcke hervor, die er vor sich auf den Tisch legte rrrit derr Worten: „Da habe ick wirklich Staatsröcke for Sie!" „Na," dachte Hochfeld, „wenn sie die Beinkleider nicht beschämen sollen, so kann schlechterdings von „Staat" wohl nicht die Rede sein." Der erste Rock, der ihrrr gereicht wurde, paßte. Begehre aber nierrrarrd zu erfahren, rvie dieser Rock des Königs aussah, und Hochfeld rrmß bei Besichtigung desselberr ein gar interessantes Gesicht gemacht haben, denn der Sergeant brach plötzlich lachend in die Worte aus: „Na, Sie machen ja een Zesichte, als ob Sie een Schulbub geärjert hätte und Sie ihrr verhauen möchten." Gin anderes Kleidungsstück zu erbitten, fehlte Hochfeld der Blut, und gar zu widersprechen, wazte er erst recht nicht, denn das Wort „Subordination" zauberte ihm allerlei Schreckgespenster vor die Seele. Zn einem solchen Rocke, wie er ihn nun an hatte, sollte er seinem Könige dienen! Seine ursprüngliche blaue Farbe war nur schwer zu erkennen. Das liebliche Blau war im Laufe der Zeit in die Farbe des Alters: „grau" verwandelt. Ginen Rock in diesem Zustande pflegt man zum Schutze der Samen und Früchte als Vogelscheuche zu benutzen. Gin Flicken löste den andern getreulich ab, und sie pflegten gemeinschaftlich in Frieden gute Nachbarschaft. Und wären diese Flicken, jene verunzierenden Schönheitspflaster, noch kunstgerecht ein- oder aufgesetzt. Nein, sie waren gar oberflächlich mit erschreckend weiten Stichen aufgenäht, um die unter ihnen befindlichen Löcher neugierigen Blicken einigermaßen zu verbergen. Die Zuweisung der übrigen Ausstattungsgegeustände war bald geschehen, da dieselben nicht „verpaßt" zu werden brauchten. Hochfeld wurde nun auf Stube Nummer 33 geschickt, die mit der vierten Korporalschaft belegt war.. Die Stubenkollegen Hochfelds waren durchweg „Zweijährige", die schon einen großen Teil ihrer Dienstzeit hinter sich hatten. Der neugebackene Soldat ließ auf den ersten Blick keinen Unterschied zwischen sich und den Kameraden bezüglich des Dienstalters erkennen. Dem Kenner entging es jedoch nicht, daß er kaum eine Stunde in der Uniform stecken müsse. Vor allem wußte er nicht wo er seinen hals lassen sollte. Die Halsbinde war doch ein recht unbequemes Kleidungsstück. Gin Glück für Hochfeld war es, daß fein Kopf seinen hals an Umfang übertraf, jener würde sonst in der Binde verschwunden sein. Gr