Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- 13 (1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 205 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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205 Dieser Reichtum au Bildungen, verbunden mit der überraschendsten Abweckselung in Fonil und Anordnung, läßt das Auge nie ruhen. Bei jedem Schritte treten uns neue Gebilde entgegen, bei jedem Schritte nimmt ihre Fülle zu. Fast nirgend sieht man das nackte Gestein der Decke oder der Seitenwände hervortreten; überall hangen Zapfen, Nadeln u. s. w,; überall stehen Säulen, Regel und Pyramiden, kleine und große, einzeln oder in Gruppen, teils weiß wie Porzellan, teils grau, teils rötlich. — Doch machen wir einen geordneten, wenn auch flüchtigen Gang durch die einzelnen Teile der Höhle! Nachdem wir uns mit einer Gin laßkarte und einem Beleuchtungsscheine versehen haben, welcher uns eine Illumination vermittelst zahlreicher Gasflammen zur Verfügung stellt, treten wir, geführt von einem Tisenbahnbeamten, durch die starke eichene Tingangsthür zunächst in einen ziemlich engen Gang, der sich jedoch bald zu einem bedeutenden Raume erweitert. Dieser Raum ist die sogenannte Kirchen- oder Ranzelhalle. Sie hat ihren Namen von einem Gebilde gleich einer von der Decke herabhängenden Ranzel. Unter den Tropfsteinformen bemerken wir besonders zwei massive graue Regel, welche am Tnde dieses Raumes stehen und gleich einem Doppelposten den Zugang zu der Rönigshalle bewachen. Diese ist ebenfalls ziemlich geräumig. Neben einem Doppelposten vorbei gelangen wir in die Borhanghalle. Ohne die zahlreichen Zapfen, Nadeln u. s. w. zu berühren, welche hier wie fast überall ail der Wölbung hangen, lenken wir unsere bewundernde Aufmerksamkeit auf ein Gebilde, welches wie der ilatürlichste Borhang an dem schräg ansteigenden Gewölbe herniederhängt. Hier bedarf es nicht der Hilfe der Phantasie, um die Ähnlichkeit zu entdeckeil. Man glaubt beim Scheine eines hinter das Gebilde gehalteneil Lichtes die Fädeil der weißeil Leinewaild ruid am Rande sogar einen fcbmalen gestickteil Besatz zu bemerfen. Selbst die Falten würden bei einem wirklicheil Borhange nicht anders fallen wie hier. Tr hat eine Länge von 1V2 bis 5 m eine Breite voll 52 Zentimeter und ungefähr die Dicke eines Porzellantellers. Solcher Borhänge giebt es iilehrere in der Höhle. Dieser aber ist der größte uild schönste. Hierauf folgt wieder einer der schönsteil Räume, die Orgelhalle. An der Seiteilwand fteheii in zwei über einander bestndlicheil Reihen uild Gruppeil voll größern uild fleincrn Säulen, welche recht wohl mit den pfeifen einer Rirchenorgel verglichen werden köilnen. Selbst die Musik fehlt nicht. Fährt man iläinlich mit einenl Stäbchen über diese pfeifen, so klingen sie in unterschiedlichen Tönen wie Stahlstäbe von verschiedener Lälige uild Stärke, welche frei auf einem Resonanzboden stehen. Aus einiger Ferne hinschauend, glaul t nlail eine kolossale Hand wahrzuuehmen, welche gerade versteiilerte, als sie im Begriffe war, in die Saiten einer Harfe zu greifen. Danil fommt die Laube, so genaiuit wegeil ihrer Forin. Sie hat außer zapfenförmigen uild korallenähnlichen Gestaltungeil keine besonders merkwürdigen Gebilde. In der folgenden Gletschergrotte wird der Bodeil etwas uneben uild abschüssig. Jetzt