Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- 13 (1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 204 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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204 Die Dechenhöhle. J>n Ho. \2 des „Jsracl. Jugendfreundes" fand sich eine kleine allgemeine Schilderung der Tropfsteinhöhlen, in welcher auch die Dechenhöhle, bei Iserlohn im Reg.-Bez. Arnsberg erwähnt wurde. Her Hame derselben! ist nicht wie dort angegeben war, von „Dechenberg" oder „Drachenberg" abzuleiten, sondern die Höhle ist nach dem Ober-Berghauptmann v. Dechen benannt worden, der sich um die Erforschung derselben sehr verdient gemacht hat. Damit die jugendlichen Leser eiwnal einen Begriff von der Größe dieses Haturwunders erhalten, mag hier eine ausführliche Schilderung der genannten Höhle, wie wir sie einen! westfälischen Lesebuche entnehinen, folgen: Dort, wo zwischen Iserlohn und Lebnathe die Eisenbahn in einer Hcche von etwa 13 m an den! steilen Abhange eines Kalksteingebirges hinläuft, stießen hü Juni des Jahres 1868 beim Baue der Eisenbahn einige niit Steinbrechen beschäftigte Arbeiter auf eine Höhlung in den Felsen. Die Arbeiter verfolgten dieselbe und entdeckten inancherlei merkwürdige Tropfsteingebilde, welche sie abbrachen und an Freunde von Haturseltenheiten verkauften, wobei sie aber die Entdeckung der Höhle sorgfältig zu verhe'unlichen suchten. Doch gerade der Herkauf der Tropfsteingebilde mußte notwendig die Aufinerksamkeit auf den Ort des Fundes lenken. Die Eisenbahn-Direktion inachte sich durch Ankauf der Oberfläche des Berges zur unrunfchränkten Eigentünrerin der Höhle, ließ, da der entdeckte Eingang unbequem war, einen andern in gleicher Ebene mit der Bahnstrecke in den Felsen einsprengen und überhaupt den Besuch für jeden bequem und leicht nrachen. Die Höhle verzweigt sich in zwei Abteilungen, welche sich unter mancherlei stellenweise merkwürdig zerklüfteten und zerrissenen Windungen weit in den Berg hineinziehen. Ihre Breite ist nicht überall dieselbe. Bald ist sie so enge, daß karun zwei oder drei Personen neben einander gehen können; bald dehnt sie sich zu geräumigen Hallen und Grotten aus, welche nach den verschiedenen Gebilden, die sie enthalten, verschiedene Hamen tragen. Auch wechselt die Höhe der Decke an einzelnen Stellen. Indes während das Gewölbe nirgend über 6—8 ni hoch ist, giebt es doch keine einzige Stelle, wo man nicht bequem aufrecht gehen könnte. Alan liest und hört manchinal in Höhlenbeschreibungen von Säulen, Orgeln und anderen Aunstgegenständen, welche durch die Tropfsteingebilde vorgestellt werden sollen. Der nicht wissenschaftlich gebildete Besucher denkt dabei natürlich an Forinen, welche den genannten wirklichen, nach den Regeln der Aunst erbauten Gegenständen entsprechen, und sindet sich gewöhnlich getäuscht, So ging es mir bei der tropfsteinhaltigen Alusensteiner und Sundwiger Höhle. Hier aber findet auch die anspruchsvollste Erwartung ihre volle Befriedigung.