Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- 13 (1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 206 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/9620171-9626621-9621876--0658-9621890- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
206 erhebt sich die Decke plötzlich bis zu einer ansehnlichen Höhe und nimmt förmlich die Gestalt eines Spitzbogengewölbes an. Dieser Raum heißt die Vorhalle oder der Dom. Rechts scheint durch die Ritzen einer Thür das Tageslicht herein. An dieser Stelle wurde die Höhle aufgefunden, weshalb der Ort Vorhalle getauft wurde. Hier haben wir das Ende der Höhle erreicht. Wir lenken unsere Schritte wieder zurück, betrachten die schönsten Punkte noch einmal bei Blagnesiumbeleuchtung, durch welche eine zauberhafte Wirkung hervorgebracht wird, und wollen nüt der größten Befriedigung die Höhle verlassen, nachdem wir dem freundlichen Führer ein gutes Trinkgeld in die Hand gedrückt haben. Der Schalk aber ruft uns zurück und sagt lachend; „Zum Danke will ich Ihnen noch eine hübsche Uleinigkeit zeigen." Tr führt uns nun zu einer vorhin kaum bemerkten Seitenspalte, wo wir vermittelst einer in den Felsen gehauenen Treppe von etwa 20 Stufen hinaufsteigen in die noch reichhaltigere zweite Abteilung der Höhle. Hier findet unsere Phantasie die reichste Nahrung. Während wir drunten in der ersten Abteilung fast nur Eindrücke aus dein wirklichen (eben empfinden, glauben wir uns jetzt in eine fuemöe Welt der Blärchen versetzt. Wir befinden uns gleichsam auf einer Emporbühne. Vor uns erhebt sich bis zur §eibeshöl?e eine Art Brustwehr, die mit der Decke durch einen oder zwei Pfeiler von unregelnräßiger Dicke in Verbindung steht. Zwischen diesen Pfeilern hindurch blicken wir in eine ansehnliche halbkreisförmige Nische, deren unterer Teil mit Wasser angefüllt ist. Das Becken hat eine Tiefe von IVm Dieser wunderliebliche Punkt heißt die Nixen grolle. Du fragst nach der Nixe? Siehe dort, rechts an dem sanft an,teigenden Ufer des kleinen Teiches, ruht da nicht eine weißgekleidete fchlununernde Gestalt, deren Haupt durch einen darüber geworfenen Blaute! verdeckt ist? Wir wenden den Blick und schauen tief hinunter in die düstere, zerklüftete Gruftgrotte, zu der uns eine zweite Treppe hinabführt, bängliche, am Boden liegende Gebilde, Steinsärgen ähnlich, machen den Eindruck, als befinde man sich in einem schauerlichen Totengewölbe, während die einmal erregte Einbildungskraft in Spalten und Nischen Erd- und Berggeister hervorzaubert, welche uns mit grinsenden Gesichtern anzuglotzen scheinen. Doch fürchten wir uns nicht; die Unholde sind gebannt. Derlei abenteuerliche Gestaltungen bemerken wir häufig; doch gehört eine günstige Beleuchtung und immer etwas Phantasie dazu, um an den grauen Blassen Gesichter mit Nase, Augen, Blund und Ohren warzunehmen. Schön wie ihre Namen sind die folgenden Teile, die Palmengrotte und die Alhambrahalle. Dort steht, wie von kunstreicher Hand gemeißelt, eine frei vom Boden bis zur Decke hinaufreichende regelmäßige, schlanke Säule, weiß wie parischer Blarmor. Sie hat insofern Ähnlich!eit mit den: Stamme eines Palmbaumes, als, wie dieser, ihre Fläche überall kleine Unebenheiten zeigt, als seien es die Narben von abgefallenen palmblättern. Hier schimmert