Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- 13 (1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 200 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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200 begegnen, vermochten nur auf verhältnismäßig kurze Dauer dem Volke segensreichen Frieden zu geben; eine Zeit der Bedrängnis war über Israel hereingebrochen. woran es hauptsächlich fehlte, war eine zur wirksamen Leitung geeignete Persönlichkeit, die mit allen den hohen Tugenden ausgestattet gewesen wäre, welche für dieses hohe Amt in schwerer Zeit notwendig vorhanden sein mußten. Tine solche Persönlichkeit voller Hoheit und wü.de fand sich in der Gestalt eines geistig starken Weibes, das berufen war, die öffentlichen Angelegenheiten des Volkes in die Hand zu nehmen. Deborah, das Weib eines sonst unbekannten Ulannes Lapidot aus Aedes in Naphtali, lag dem Amte einer Richterin und Prophetin ob. Unter einer Palme zwischen Ramah und Beth-El sitzend, welche später nach ihr die Deborah-Palme genannt wurde, richtete sie das Volk. Dorthin zogen alle, wel.be eine Streitsache hatten, um ein weises und gerechtes Urteil aus ihrem Wunde zu vernehmen. Ihr verständiger Sinn, ihre weisen und begeisterten Reden, von prophetischen: Geiste durchhaucht, muffen das Volk hingerissen haben. Deborah, in dessen Brust die Grotzthaten der Vergangenheit lebten und deren Herz mit den beseligendsten Hoffnungen auf den göttlichen Schutz erfüllt war, verstand es, den immer mehr gesunkenen Wut im Volke aufs neue zu wecken und zur Alffchüttelung des schmachvollen Joches zu entflammen. Und mit welchen Rütteln? — Sie sang begeisterte, hinreißende Lieder, deren Zaubergewalt das Volk bis ins Innerste traf und ergriff. von glühendem Eifer für die heilige Sache des Vaterlandes selbst erfüllt, vermochte sie auch auf die Gesamtheit der Stänune einen tiefen und nachhaltigen Eindruck zu machen, so daß ihr Ruf als Dichterin und Prophetin bald bis in die entferntesten Teile des Landes drang und so das vertrauen zu ihrer weisen Führung immer mehr befestigte. Als daher um diese Zeit die kanaanitischen Völker, an deren Spitze Iabin, Aönig von Thazor, und dessen Feldherr Sisera standen, sich zur Unterdrückung, Plünderung und Vernichtung der israelitischen Stämme vereinigt hatten, waren alle Blicke auf Deborah, diese hehre Gestalt, gerichtet. Der echt weibliche Tharakter Deborahs') — sie ist eben keine tollkühne Heldenjungfrau, die weiblichen: Berufe entsagt—, ihr dichterischer und prophetischer Beruf, noch mehr ihre eigentliche Stellung als Friedensstifterin, abgesehen von der Unbekanntschaft mit den: Ariegshandwerk, ließen bei ihr den Gedanken an die persönliche Anführung eines Heeres wohl nicht aufkonnnen, so sehr ihr Herz für die Errettung ihres Volkes aus der drohenden Gefahr entflannnt war. Die Not war groß, die Stannneshäupter der Verzweiflung nahe, weil die gewaltige Übermacht der Feinde unüberwindlich schien. Da erhebt sich i) Deborah heißt „die Biene", die fleißige.