Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- 13 (1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 198 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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198 Neigung für den Lehrerberuf zu wecken, und der Knabe hatte, als er aus der bchule entlassen werden sollte, sich mit Freuden für diesen Berus entschieden. Nach einer Reihe von Jahren voll Blühe und Arbeit hatte er sein Ziel erreicht, und es war die schönste btunde seines Lebens, als er vor feine geliebten Pflegeeltern und die von ihm verehrten Lehrer mit einem glänzenden Reifezeugnis treten konnte. Albert Hochfeld bekleidete seine erste Lehrerstelle in RI. hier lebte er ganz seinem Berufe. Nun war aber auch die Zeit herangekommen da er seiner Rulitärpflicht genügen und zeigen sollte, daß er fähig sei, des „Königs Rock" zu tragen. Er sah dies gewissermaßen als eine Auszeichnung an, die ihn mit hoher Befriedigung erfüllte. IH. Kapitel. Int Inmien IHodi. An einem schönen Herbstmorgen verließ hochseld die Stätte seiner Wirksamkeit, um mit der Eisenbahn nach der Garnisonstadt O. zu fahren. Unterwegs hatten sich nach und nach sechs andere Lehrer zu ihm gesellt, die gleichfalls ,,des Königs Rock" anziehen und in die Geheimnisse des Rlilitarwesens eingeweiht werden sollten. Oer Uebergang aus den bürgerlichen in die militärischen Verhältnisse rief einen gar mächtigen Umschwung nach den verschiedendsten Richtungen hervor; dort: die mehr oder minder freie bUbstbestimmung, — hierl das unbedingte Unterordnen unter den Willen eines Einzigen; dort: die borge ums tägliche Brot und der damit verbundene Lebensernst, — hier: die völlige borglosigkeit, hervorgerufen durch das Bewußtsein, daß für die leibliche Existenz von anderer belle borge getragen wird, wodurch bei strenger Pflichterfüllung eine heitere btimmung sich Bahn bricht. Diese heitere btimnmng hatte sich auch Hochfelds bemächtigt. Was kümmerte ihn jetzt die bchule nnt ihrem täglichen Einerlei; was gingen ihn jetzt all die mannigfachen Obliegenheiten an, die ihm sein Berus auferlegten? btatt der vielen Pflichten und Rücksichten sollte und durfte jetzt nur ein höherer Wille all sein Thnn leiten und beeinflussen, ein Wille, den: er aber gern und freudig folgte, da er von seinem allergnädigsten Kaiser, seinem obersten Kriegsherrn, ausging, dem er ein 'pflichtgetreuer boldat sein wollte, und dies um so mehr, als dem jüdischen boldaten noch von vielen beiten Rlißtrauen entgegen gebracht wurde, und man gegen die Aufrichtigkeit seiner Gesinnung bei der Erfüllung seiner militärdienstlichen Obliegenheiten noch manche Zweifel laut werden ließ. Und gar zu oft mußte der jüdische boldat unter anderen, die so tief verletzende Bemerkung hinnehmen, daß das pulverfein Riechorgan beleidige, obwohl gar viele in zahlreichen bchlachten das Gegenteil hiervon bewiesen haben und ruhmgekrönt und mit Orden geschmückt aus blutigen Feldzügen heimgekehrt sind. —