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Israelitischer Jugendfreund · 1897-01-01 · 13 (1897) · p. Seite 197

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
3 (1897)
Issue
13 (1897)
Date
1897-01-01
Page
Seite 197 (sequence 5)
Language
German
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197 Fuß wandernd, ihren Lebensunterhalt zu erschwingen gesucht. Zn liebender Besorgnis, das zarte Kind könnte durch die Mühseligkeiten ihrer Wanderung Schaden leiden, habe die Mutter es einein menschenfreundlichen Nachbar an vertraut, dein sie von Zeit zu Zeit Beträge als Entschädigung für des Rindes pflege aus der Fremde schickte. Oie Sendungen wurden aber seltener und hörten schließlich ganz auf. — Oie Mutter war uud blieb verschollen. Seitdem lebte der kleine Albert im Nachbarhause, uud die Megeeltern, selbst kinderlos, schloffen ihn ganz in ihr Herz ein, ließen ihn nie fühlen, daß er nicht ihr eigenes Rind sei. Oas Einzige, das Alberts Eltern zurückgelassen hatten, und das er später stets als ein kostbares Erbstück hochschätzte, waren außer einem alten Gebetbuche, das schon seine Großelterir benutzt haben sollen, ein eigenartig gesonnter Ring, der aus fünf dünnen, gar kunstvoll verschlungenen Ringen zusammengesetzt war, die in zwei ineinander greifenden Händen endeten. Diese Hände umfaßen gleichzeitig einen sechseckigen Stern, in dessen Mitte ein prächtiger Edelstein prangte. Gebetbuch und Ringe soll die Mutter Hochfelds in zwei Exenrplaren besessen haben. So berichtete ihm oft sein Pflegevater. Beide Gegenstände habe die Mutter beim Verlassen der Heimat ihm mit der Weisung übergeben, sie sorgfältig für ihr Rind aufzubewahren, sie könnten ihm später von großer Bedeutung sein. Beide Erbstücke hat auch Hochfeld bis heute in Ehren gehalten. Aus dem hebräischen Gebetbuche lernte er die ersten hebräischen Laute. Mit seinein fünften Lebensjahre trat er in die jüdische Elementar« und Religionsschule seines Heimatsortes, die noch ganz nach dein Muster der alten „Eheder" eingerichtet war. Bei einem alten Melammed*), einem kleinen, hageren Männchen, lernte er zunächst das „Aleph-Bees" wobei es ohne Rückenpüffe nebst haar- und Ohrzupfen nicht abging. Da der alte Onkel Ehajim es durchaus nicht verstand, der Ausgelassenheit uud dem Uebermut der Schuljugend mit den geeigneten Zuchtmitteln eutgegenzutreten, war die Schule gar oft der Schauplatz der dünunsten Streiche, wie unter solchen Umständen die Unterrichtserfolge beeinträchtigt werden, das werdet ihr, liebe Leser, wohl schon selbst erfahren haben. Albert künunerte sich jedoch wenig um die Ungezogenheiten seiner Schulkameraden, sondern oblag dein Lernen mit Eifer daruni war er schon nach einem Zahre im Stande, das hebräische zu lesen und auch einiges zu übersetzen. Für die Schule aber begann ein neuer Frühling zu blühen, als Doktor R., ein bewährter Lehrer, ihre Leitung übernahm. Es ivurde unerbitterlich mit dem alten Zopf gebrochen, und von nun an durchwehte die Schulräume ein anderer Geist. Alberts Fleiß und Eifer verschafften ihm die Liebe und die Zuneigung seiner Lehrer, und schon in seinem zehnten Lebensjahre war er Schüler der ersten Masse. Doktor A. hatte es verstanden, in Albert eine *) Lehrer.

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