Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- 13 (1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 196 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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196 und neugierig aus den Lehnenecken hervorlugen, um sich in ganz energischer ItVifc dem ihnen angethanenen Zwang des jahrelangen »Gedrückt-" und Verborgenseins zu entwinden. D..s bekunden aufs überzeugendste jene Garnierungen an der Vorderseite des Sitzes, die eine große Ähnlichkeit nnt Dammastfetzen haben. Um die Harmonie nicht zu stören, waren auch die anderen Ausstattungsgegenstände des Zimmers von respektablen: Alter, und schon ihre antike Form flößte jeden: Beschauer Ehrfurcht ein. — Das war das heim, in welchem der Lehrer Albert Hochfeld sich eben der Auhe hinzugeben gedachte, um neue Kräfte für die Arbeit des Nachmittags zu sannneln. Da vernahm sein Ohr ein energisches Wochen an die Thür. Auf sein „herein!" trat der Stadtdiener ins Zimmer und überreichte ihn: schweigend und mit lächelnder Aliene ein Blättchen und entfernte sich, die Thüre geräuschvoll hinter sich schließend. — Gin flüchtiger Blick auf das unscheinbare Blättchen genügte, auf Hochfelds schon bedrücktes Herz eine Tentnerlast zu wälzen. O du hochbedeutsames Blättchen, das du in das Leben und Geschick des Alannes nnt eiserner Faust eingreifest und oft entscheidend wirst für seine Zukunft; Blättchen, das du keinen Widerspruch duldest, kein wiederstreben zuläßt; Blättchen, das du manches innige Band lösest, manche Hoffnung zerstörest! — Gestellungsbefehl! — wo du in den Zeiten des Krieges erscheinest, da erweckst du Liebe und Begeisterung für das teure Vaterland. Aut dir zieht aber auch Kunnner und Schmerz in die Häuser: Du reißest von der Eltern Herz den hoffnungsvollen Sohn, den Vater und Gatten aus der Familie trautem Kreise, Weib und Kind in trauriger Schutz- und hilfslosigkeit zurücklassend!- Wohl war nicht der Kriegsruf an ihn ergangen, auch ließ er nicht Weib und Kind hilflos zurück. Doch sollte er seiner Uulitärpflicht genügen und für sechs Wochen feinen: Berufe entzogen worden. Für ihn sollte jedoch jener Befehl noch eine ganz besondere Bedeutung erhalten, indem seine Lebensverhältnisse eine völlige Umgestaltung erfahren und Geheimnisse ihm offenbart werden sollten, die für ihn bis jetzt undurchdringlich waren. Der Schleier, der über feine erste Lebenszeit ausgebreitet lag, sollte gelüftet werden! II. Kapitel. Knr Leherrsgnrrg. Nur wenig war den: Lehrer Albert Hochfeld aus seiner ersten Kindeszeit bekannt. Seinen Vater hatte er nie gekannt, feine Ulutter war seit seinen: zweiten Lebensjahre verschollen. Nie hat sich eine Spur von ihr wieder gefunden. Nicht Fracht, nicht Glanz rnngaben seine wiege, nein, in das bitterste Elend hatte ihn das Geschick gesetzt. Seine wutter, so hatte inan ihn: gesagt, habe nach des Vaters Tode, durch einen Hausierhandel, von Ort zu Ort zu