Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- 13 (1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 194 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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194 (Spr. Sal. 15.1). „wer fyiöcr anfängt, ist wie einer, der den Damm aufreiht; laß ab vom Sreit, bevor er lerbricht (Spr, Sal 17,14). Zängt aber einer mit uns Streit an ober beleidigt uns, so sollen wir klüger sein, und nachgeben 6. h. gar nicht mehr antworten oder fortgehen. Denn durch Antworten wird der Streit doch nicht beendigt. Hat man uns aber beleidigt, so sollen wir die Beleidigung vergessen, nicht weiter daran denken und noch viel weniger bei Gelegenheit Rache üben. Das ist übrigens ausdrücklich verboten. „Du sollst dich nicht rächen und sollst keinen Zorn nachtragen" heißt es im 5. B. Rlos. 19,18. Der Talmud fragt fstoina 25a): wie ist das Zu verstehen? und antwortet mit folgendem Beispiel: Du kommst Zu deinem Rachbar und bittest ihn, er möge dir seine Sichel leihen; er aber verweigert es. Des andern Tages jedoch kommt dieser Zu dir und bittet dich, ihm deine Axt Zu leihen, wolltest du sie ihm verweigern und Zu ihm sprechen: ssch leihe dir nichts, wie du nur nichts geliehen hast," so hättest du Rache geübt. Gesetzt aber den Hall, daß du Zu deinem . Rächsteu kommst und ihn bittest, dir seine Art Zu leihen und er dir solches verweigert; du aber, wenn er des andern Tages Zu dir käme und sogar dein Gewand von dir forderte, ihm dieses gäbest, aber Zu ihnr sprächest: „Run siehst du wohl, daß ich nicht bin wie du, der du mir deine Art nicht leihen wolltest" — so wäre auch dieses Sünde, weil du den Groll in deinem HerZeu hattet. wer Zank und Streit nicht liebt, wer also tii + t rachsüchtig, sondern verträglich ist, den nennt mau friedlich und versöhnlich; der wird mit der Zeit geliebt und geehrt von allen RleuscheN. wer aber bei den Rlenschen beliebt ist, der ist auch bei Gott beliebt, denn er erfüllt das höchste Gebot der Religion: das Gebot der Rächstenliebe. Ruö wer dem Rebenmenschen Hiebe erweist, 6cm erweist Gott wieder Hiebe, und wer seinem Rächsten verzeiht, dem verzeiht auch Gott. 3» Sir. 28,2 lesen wir: „Dergieb deinem Rächsten die Beleidigung, so werden, wenn du bittest, auch deine Sünden vergeben werden." Bemüht euch also jederzeit, friedlich und versöhnlich Zu sein! In des Königs Kock. Erzählung von Z. Herzberg. Verfass.r der preisgekrönten Erzählung „David und Zonathan." (Nachdruck verboten.) (Alle Rechte Vorbehalten.) I. Kapitel. Vev KeftellirngobefeL)l'. Bon dein Turme der Donrkirche zu Rl. verkündeten die Glocken die Rlittagsstunde. Die liebe Schuljugend, die Hoffnung der Familienväter der jüdischen Gemeinde zu RI., hatte soeben das Schulzimmer verlassen, und der