Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- 12 (1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 189 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Zügel schießen läßt, wie Pfeiler, Portale, Orgelpfeifen, Kanzeln, riesige Stachelkaktuffe, Tischplatten. Altarblätter u. dgl, m., auch wohl wie Personen, welche in Harnische oder geistliche Gewänder gehüllt sind. Solche „Tropfsteinhöhlen" konnnen in größerer oder geringerer Ausdehnung und inehr oder weniger Gebildereichtuin in den meisten Kalksteingebirgen vor, in Deutschland in den bayrischen Regierungsbezirken Ober¬ und Unterfranken, in Kärnthen, in Westfalen und im Herzogtums Braun - fchweig. sin letzterem findet nian — und zwar in dem, nur zum kleineren Teile zu den Kalksteingebirgen gehörenden Harz — diejenigen zwei Tropfsteinhöhlen, welche durch ihre Ausdehnung, wie durch Mannigfaltigkeit und Großartigkeit der in ihnen vorhandenen Gebilde vor allen anderen derartigen Höhlen Deutschlands sich auszeichnen. Ls sind dies die „Baumanns-" und die „Bielshöhle," von denen die erstere eine Länge von 2IS, die letztere aber eine solche von 256 m. hat, Da beide als „Raturwunder" weit bekannt und gutbeschrieben sind, werden Zweifelsohne die tneisten von euch, meine lieben Leser, schon von ihnen gehört oder gelesen haben, manche wohl auch gar dort gewesen seinR Rächst diesen beiden dürste die bedeutendste und am meisten genannte Tropfsteinhöhle im Deutschen Reiche die „Dechenhöhle^ im Regierungsbezirke Arnsberg der preußischen Provinz Westfalen sein. Dieselbe befindet sich in dem sogenannten „Dechenberge^ (soviel als Drachenberg) unfern der alten Stadt siserlohn. Auch sie wird siahr für siahr von mehr als tausend Personen in Augenschein genommen, da sie ebenfalls durch ihre Ausdehnung, wie durch eine Fülle merkwürdiger Tropfsteingebilde sich auszeichnet, wie man solche bisher weit und breit nicht Zu sehen bekam. Seit kurzem aber hat diese berühmte Höhle und zwar in ziemlicher Rähe eine Rebenbuhlerin erhalten. Cs ist nämlich 1887 unfern des Städtchens Warsteins bei Gelegenheit eines Wegebaues iin Bilsteingebirge eine Höhle aufgefunöen worden, welche an Ausdehnung Zwar beträchtlich hinter der Dechenhöhle zurücksteht; denn wenn sie auch nicht ganz so tief ist wie diese, übertrifft sie dieselbe doch an Breite, sihre T'ese beträgt nämlich 120 m„ ihre zwischen 15V» und 16V~> m. wechselnde Breite durchschnittlich 15 m. Die neu aufgefundene Höhle ist von ganz besonderem sinteresse für die „Paläontologen," ö. h. die Erforscher und Kenner vorweltlicher Tiere. Ittaw findet nämlich in ihr eine Menge von zum Teil versteinerten Knochen und Gerippen vorsintflutlicher Tiere, namentlich eine Uninasse von Schädelknochen, Gebissen und wirbelteilen der längst ausgestorbenen „Höhlenbären." Die Bilsteinhöhle gliedert sich in drei hintereinanderliegende, durch Ouerfelswände geschiedene Abteilungen, wie sie durch ihre vielen Reste vorsintflutlicher Tiere ein besonderes sinteresse für den Raturforscher hat, steht sie auch der Dechenhühle nur rückslchtlich der Mannigfaltigkeit der in ihr befindlichen Stalaktiten (das sind Tropfsteingebilde), nicht aber an Fülle und Großartigkeit derselben nach. ' _