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Israelitischer Jugendfreund · 1897-01-01 · 12 (1897) · p. Seite 188

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
3 (1897)
Issue
12 (1897)
Date
1897-01-01
Page
Seite 188 (sequence 12)
Language
German
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Aber sieh', du hättest eine wichtige Arbeit, oder ein Geschäft vor, und du berätstdich erst genau mit dir selbst, auch mit einem oder einigen erfahrenen Freunden, und du hast nun einen festen Entschluß gefaßt, so gehst du nnt Blut an dein Unternehmen, und der Erfolg kann nicht ausbleiben. Bist du aber mit dir selbst nicht einig und gehst von einem Freunde, von einem Bekannten zum andern, um dir bei ihnen Rats zu erholen, so weißt du zuletzt vor lauter Ratschlagen nicht, wo ein und aus, und hier sagt auch ein anderes Sprichwort ganz richtig: „wer viel fragt, geht irre." „Er sieht den Splitter im Auge seines Nächsten, aber nicht den Balken im eigenen Auge," will sagen, wir Menschen merken wohl die kleinen Fehler unserer Nebennienschen, sind aber blind gegen unsere eigenen großen. Inwieweit dies wahr ist, überlassen wir einem jeden, nnt sich selbst auszumacheu, — denn: „jeder weiß am besten, wo ihn der Schuh drückt." Schlägt hier nicht wieder ein Sprichwort das andere? — Nicht ganz, möchten wir nieinen; denn während mancher den Splitter seines Nächsten öffentlich als Balken ausschreit, so weiß er am besten, wo ihn der Schuh drückt, hütet sich aber wohlweislich, die wunde Stelle bloßzulegen. „Ich trachte nicht nach Titel und Ehren und Grden, das alles ist mir in der Seele zuwider," spricht manch einer, der im Stillen ohne Erfolg darauf Jagd gemacht — „ich hasse die glänzenden Feste und all den elenden Luxus; denn das alles ist eitel," spricht so mancher, der seinen reichen Nachbar mit schelen Augen betrachtet, — „ich prunke nicht gern mit meinem wissen," sagt mancher Hohlkopf. warum? Sie alle wissen am besten, wo sie der Schuh drückt. Und sage ich jetzt, ich könnte noch mehrere ähnliche Sprichwörter anführen, lasse es aber mit den obigen genug sein, wer weiß, hat nicht bald jemand fragliches Sprichwort „spottenderweis'" bei der Hand. Aber selbst auf diese Gefahr hin, schließe ich. Tropfsteinhöhlen. (kin eigenartiges, in mancher Hinsicht bemerkenswertes Alineral ist der Tropfstei il, auch „höhlenstem" und (mit einem der griechischen Sprache entstammenden Worte) „Stalaktit" geheißen. Derselbe erscheint als ein fast wie Perlmutter glänzendes Gestein voll weißer, grauer, gelber oder brauner seltener voll bläulicher, grünlicher oder rötlicher) Färbung. Seinem Wesen nach ist er ein kristallinischer Niederschlag aus herabtropfenöem, durchsickern- . den, stark kalkhaltigem Wasser; daher eben der Raine „Tropfstein." Dieser Riederschlag mm überzieht Decken, Boden und wände der in Kalksteingebirgell besilldlichen kleinereil oder größeren Höhlungen mit den mannigfaltigsten Gebilden voll länglicher, kugeliger, Zapfeliartiger, knolliger oder fächerartiger Gestalt. Sie erwachsen lnitnilter Zn lnächtigen, glatten oder gestreiften Säulen und crscheillen dem Beschauer, falls er [einer Linbildungskraft die

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