Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- 12 (1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 190 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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190 Die zwei Münzen des Propheten Elia. 'Eine £c$cuöc aus 6cm Ialkuth. Ein frommer iUauu hatte ein Gelübde gethan, wie groß auch fein Elend sei, kümmerlich von dem eigenen Verdienste zu leben und nie von der menschlichen Ulildthätigkeit irgend eine Unterstützung zu erbetteln. Aber der Arme wurde m kurzer Zeit in so tiefes Elend versetzt, daß ihm als Bett nur noch der nackte Boden und eine zerrissene Decke blieb, und ihm die Kleider in Stücken vom Leibe herabhingen. Aber auch das grausamste Leid hätte er lieber ertragen, als sein Gelübde verletzt. Eines Tages, als er ganz alleine war und bittern Hunger litt und weinte, erscheint ein unbekannter Araber bei ihm, der sich in ein vertrauliches Gespräch mit ihm einläßt und, ohne zu zeigen, daß er sein Elend bemerke, ihm zwei Ulünzen leiht, mit welchen er ein kleines Geschäft anfangen solle, mit der Bedingung, daß er sie wieder zurückgebe. Der srotnme Ulann, bedenkend, daß das Darlehn ja kein Geschenk sei, und von der Bot gezwungen, nimmt sie an. Kaum hatte er jene zwei Ulünzen in der Tasche, so fühlte er sich als einen ganz andern Ulann. Gestärkt durch neue und ungewohnte Hoffnungen, gekräftigt durch ein neues Leben, geht er aus, um Arbeit zu suchen; mtd bald fand er, was er suchte. Unterdessen bediente er sich jener zwei Ulünzen, um geringe Ware zu kaufen, und mit ihr Handel zu treiben. Von jenem Tage au schlug ihm alles zum Glück aus, jeder Versuch hatte einen günstigen Erfolg. Immer Arbeit im Überfluß, immer gute Geschäfte, immer größere Gewinne; und so, von Ersparnis zu Ersparnis, von Gewinn zu Gewinn, kam er in den Besitz eines ansehnlichen Vermögens. Aber sobald der Reichtum an die Stelle der Artnut getreten war, verschwanden die alte Frömmigkeit und Rechtschaffenheit. Keine Gebete mehr, keine Andachlsübungen ntehr, keine guten Werke ntehr, das ganze Leben des Ulannes bestaitd in dem Genüsse seiner Reichtümer. Während er so besinnungslos in den irdischen Vergnügen schwelgte, steht wieder der Araber vor ihm und verlangt mit strengem' und gebieterischen Blicke die Rückerstattung seines Darlehns: „Und gieb' acht," setzt der Araber hinzu, „ich will dieselben zwei Ulünzen, die du von mir damals empfangen hast." „Dieselben?" antwortete der Reiche etwas betroffen, „dir die Wahrheit zu sagen, kaum habe ich einigen Verdienst gemacht, so ließ ich sie mir zurückgeben und bewahrte sie sorgfältig aus, weil sie mir das Glück gebracht i) Der Ialkut ist eine nach Paragraphen geordnete Sammlung der int Talmud und in anderen alten jüdischen Schriften enthaltenen ragen und Legenden. Betrachtungen und ^Ermahnungen, Sprichwörter und Gleichnisse zur Erklärung der Bibel, und begleitet diese vom Anfang bis zum Tude. Der ^alkut rührt von Bahhi Simon Baddarschau Her, der um 1200 in Frankfurt a./HT. lebte.