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Israelitischer Jugendfreund · 1897-01-01 · 12 (1897) · p. Seite 184

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
3 (1897)
Issue
12 (1897)
Date
1897-01-01
Page
Seite 184 (sequence 8)
Language
German
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184 »Gnädiger Herr, ich mache euch frei von allen Schulden, und ih/ — Daniel hielt inne und heftete seinen flammenden Blick auf die Züge des Grafen, dann fuhr er mit Begeisterung fort: »ihr, Herr Graf, macht nüch frei, frei wie nreine Vater waren! * Eine h>ause war eingetreten, während welcher der Graf Daniel mit ernstem Blicke nmsterte. Hut Spannung wartete der Goldschmied die entscheidende Antwort des Grafen. Jetzt trat der Graf zum Fenster und blickte nachdenk.ich hinaus. Daniel aber war in atemloser Angst in der Witte des Gemachs stehen geblieben. Der Graf schien zu überlegen, plötzlich wandte er sich um, und seine Hand dem förmlich wie gebannt dastehenden Daniel entgegenstreckend, sagte er: »Daniel, laß mich dein freund sein, dein Herr bin ich nicht mehr!* Zitternd ergriff Daniel die dargereichte Hand und küßte fle. Thränen entquollen seinen Augen: »Dank, tausend Dank, gnädigster Herr!* brachte Daniel stammelnd hervor, »aber gebt die Freiheit auch meinem Vater und meinem Großvater, und ich will auch gern die doppelte Sunune zahlen!* »Za alle, alle sollt ihr frei sein, meinetwegen alle deine Vorfahren bis auf fünf Jahrhunderte zurück/ erwiderte lachend der Graf. * * * Den Freibrief mit Siegel und Unterschrift in der Tasche, reiste Daniel schon am folgenden Tage in sein Heimatsdorf. Tag und Nacht war er ununterbrochen unterwegs, um keinen Augenblick zu verlieren. Sein Herz schlug in freudiger Erregung, als er der niedrigen Hütte, in der er seine Zugend verlebt hatte, ansichtig wurde. Die Eltern und Geschwister waren auf dem Felde, nur der alte Eli war daheim. Zn einem Armstuhl sitzend, rückwärts gelehnt, die Anise mit einem warmen Tuch bedeckt, die Augen geschloffen, die Ivangen eingefallen, reichgefurcht und blaß — so fand Daniel seinen Großvater. Leise kniete er neben ihm nieder und bedeckte seine knochige Hand mit glühenden Aüssen. Da ließ sich eine gebrochene Stimme vernehmen: »Freiheit, der Zunge — mein Daniel — er wird Wort halten — ja, ja, mein Zunge — wird Wort halten/ »Za, Großvater, er hat Wort gehalten/ rief Daniel mit zitternder Stimme. Ein Freudenschein überzog das totenbleiche Angesicht des Alten, die geschloffenen Augen öffneten sich ein wenig und richteten sich auf Daniel. Er versuchte, die Hand zu erheben, doch jede Araft war aus ihr geschwunden. Daniel vermochte nicht länger an sich zu halten. »Großvater/ rief er, »dein Daniel ist ein freier Wann! Wir alle sind frei! hier ist der Freibrief des Grafen! Frei sind wir alle, der Aaiser Halls bestätigt! Großvater, verstehst du mich auch? Du bist frei'/

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