Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- 12 (1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 183 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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188 opfernder Hingebung angedeihen ließ. Der gescnnmte Besitz Attenstett's ging nun auf den etwa dreißig Jahre alten Daniel über. So war Daniel aus eigener Kraft durch unablässigen Fleiß und unverkümmerte Arbeitslust, freilich nicht ohne Hilfe eines günstigen Geschickes, von Stufe zu Stufe einporgestiegen, bis er ein selbständiger, wohlhabender und angesehener Ukann wurde, weit wohlhabender als der Graf vermutete. Diesem zahlte er nicht nur alljährlich seit seinem einundzwanzigsten Lebensjahre den Leibzoll in einer hübschen runden Summe, sondern er sandte auch den Eltern regelmäßig Geldbeträge, die zum guten Unterhalt der Familie vollkommen ausreichten. Uni so schmerzlicher empfand Daniel jetzt, was es heißt „Kammerknecht" oder „Schutzjude" sein. Ucehr denn je, gedachte er jetzt der eindringlichen Ulahnung, die der Großvater ihm bei seinem Abschied zurief. Noch war Eli am Leben; aber die Last der Jahre hatte die sonst so stattliche Gestalt gebeugt, und er war schwach und gebrechlich geworden. Der Gedanke, der geliebte Großvater könnte sterben, ohne seine Hoffnung auf Erlangung der Freiheit erfüllt zu sehen, bereitete Daniel manche kummervolle Stunde. Doch jetzt schien ihm die Zeit gekommen, da er seinen längst entworfenen picut auszuführen vermochte. Es war ihm nicht entgangen, daß der Graf infolge seiner verschwenderischen Lebensweise immer tiefer in Schulden gerate, und daß er zu Grunde gehen müsse, wenn ihm nicht reiche Geldmittel zufließen würden. Es war gerade am Geburtstage der Kaiserin. Daniel hatte im Aufträge des Kaisers für die Kaiserin ein Diadem gefertigt und war für diese überaus kunstvolle Arbeit von dem obersten Landesherrn reich belohnt und hoch geehrt worden. Aber das Bewußtsein, nicht frei zu sein, vergällte ihm die Freude. Da erschien plötzlich der Graf bei Daniel. Noch ehe dieser seiner freudigen Überraschung über den unerwarteten hoyen Besuch Ausdruck geben konnte, legte der Graf feine Hand auf die Schulter des stattlichen Ulannes und sprach: „Daniel, du bist ein redlicher, treu ergebener ^Nensch. Du hast mir einst das Leben gerettet, doch jetzt steht etwas noch Höheres auf dem Spiele: meine Ehre. lDillst du mir ein paar tausend Gulden auf drei Ulonate leihen?" „Gnädiger Herr, euch einen Dienst erweisen zu können, ist mir heiligste Pflicht, denn nächst Gott danke ich euch mein Glück. Herr Graf, ich weiß, daß eure Schulden zusammen über hunderttausend Gulden betragen; möchtet ihr euch wohl mit einem Ulale derselben entledigen?" »Das versteht sich/ rief der Graf. »Gott hat meiner Hände Arbeit reich gesegnet/ sagte Daniel, »ich will eure Schulden tilgen, wenn ihr mir dafür eine Gnade erweisen wollt/ »Du? — und was verlangst du von mir?* fragte der Graf erstaunt.