Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- 12 (1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 182 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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182 Kammergoldschmied ernannte. Von seiner hervorragenden Geschicklichkeit und seinem seinen Geschmack zeugt das silberne Gehäuse einer Standuhr, die sich heute in der kaiserlichen Schatzkammer in Wien befindet und Laien wie Kunstkenner mit Bewunderung erfüllt. Andreas Attenstett hatte bald die Überzeugung gewonnen, daß Daniel nicht nur mit dem nötigen Kunstsinn und der erforderlichen Geschicklichkeit ausgestattet war, sondern daß er auch einen eisernen Fleiß und eine durch nichts zu trübende Arbeitsfreudigkeit besaß. Es dauerte nicht lange, so war Daniel der Liebling und infolge seiner Zuverlässigkeit der Vertraute seines Kleisters. Schon nach wenigen Lehrjahren übertrug er ihn: die selbstständige Ausführung mancher Arbeit, die auch stets Zu seiner vollen Zufriedenheit ausfiel. Jede neue Arbeit zeugte von den Fortschritten, die der begabte und fleißige Jüngling m seinem Berufe machte. Sein Kleisterstück aber bestand in einen: Thoraschmuck, den der Vorstand der Aegensburger jüdischen Gemeinde, die damals zu den bedeutendsten in Deutschland gehörten, bei Attenstett bestellte. „Daniel," sprach eines Tages der Kleister zu den: Jüngling, „die hiesige jüdische Gemeinde hat n:ich mit der Allfertigung eines Thoraschmuckes beauftragt; wärest du wohl im Stande, mir einen Entwurf hierzu fertig zu stellen?" „Klit Verla:?', ehrwürdiger Kleister," antwortete Daniel mit vor Freude strahlender: Blicker:, „wenn ihr nur das gar:ze Werk arwertrauer: wollt, möchte ich es wohl versuche,:." „Ich bir: es zufrieder:," sagte Attenstett, „hier ist der Schlüssel zur Klaterialienkammer, entninnr: daraus nach Bedarf, und dam: frisch an die Arbeit!" Schneller als der Kleister erwartet, zeigte Daniel ihm das Werk in seiner ganzen Vcllendurrg. Klit Freude uu.d Bcuundeiuug betrachtete es der Kleister, urid den: überglücklicher: Jünglinge die Hand reichend, sagte er: „Fürwahr, besser hätte ich es auch nicht gemacht. Von: heutigen Tage an bist du nicht rnehr rnein Gehilfe, sondern mein Freund; was mir gehört, ist auch dein Eigentum. Ich habe weder Weib noch Kind, und niemand steht mir näher urrd keiner ist würdiger als du, eirrst die Erbschaft meiner Kur:st und meines Vermögens anzutreten." „(D mein Kleister, mein Lehrer, ihr macht mich zu glücklichsten Klenschen l VOk soll ich, wie kann ich euch jemals danken!" sagte Daniel fast verwirrt vor Freude. „Nichts da von danken," sagte Attenstett mit sichtbarer Freude über die Glückseligkeit des Jünglings, „ich weiß n:eine Kunst in guten Händen, und dieses Bewußtsein ist mir der schönste Lohn." Nicht lange darnach begann Attenstett zu kränkeln und verschied nach längerer Krankheit, während welcher Daniel ihn: die treueste Pflege mit auf-