Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- 12 (1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 181 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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181 Jahre gezählt sind; o trachte darnach, daß sich ineine Augen noch weiden an dem Anblick der heißersehnten Freiheit! Bleibe stets ein treues Glied deiner Glaubensgemeinschaft, für die deine Väter gestritten und geblutet haben! Und nun Gott befohlen!" * Das bisherige Verhalten Daniels hat — wie ich hoffe — meinen jungen Lesern die Ueberzeugung gegeben, daß er durch Eingebung und Ausdauer sein Ziel erreicht hat. wir lassen daher einen Zeitraum von fünfzehn Jahren verfließen und wenden uns dem durch reiche Lebenserfahrung reif und durch Fleiß und Sparsamkeit reich gewordenen Alaune zu. In der Nähe des Rathauses der ehrwürdigen StaM Regensburg befindet sich ein stattliches Gebäude. Ls ist das Eigentum Daniels, Hier befindet sich seine Kunstwerkstatt. An einem mit goldenen Gerätschaften aller Act besetzten Tische sitzt Daniel, mit einem kleinen Hammer aus X70I5 oder Horn eine zierliche Figur bearbeitend. In den weiten die Werkstätte bildenden Bäumen regen sich viele fleißige Hände, glitzern edle Aletalle in den mannigfachsten Formen. Hier sehen wir, wie ein Gehilfe mit geschickter Hand einem goldenen Becher die rechte Form giebt, dort gräbt ein anderer auf einer Goldplatte Namen und Wappen ein, während ein dritter flüssiges Gold in eine bereit stehende Form gießt. In einen: Glasschranke prangen die auserlesensten Kunstgegenstände, die entweder ganz aus Gold oder Silber hergestellt sind oder aus einem andern Metall bearbeitet und dann vergoldet worden sind. Auch fehlt es nicht an Schmuckgegenständen, wie Ohrgehänge, Armbänder u. f. w., denen köstliche Steine eingefügt sind. Alle die vielen Kunstgegenstände gehören Daniel und sind teils von ihm selbst, teils unter seiner Leitung und Aufsicht hergestellt. Zu seinen Kunden Zählen die höchstgestellten Personen in Deutschland, ja selbst die Kaiserin trägt ein Diadem, das aus seiner kunstgeübten Hand hervorging, wie ist alles dieses gekommen? So wirst du, mein lieber Leser, wohl fragen. Nun ich wills dir erzählen. Regensburg war im Laufe der Zeit zu einer hohen Schule jeglichen Kunstbetriebes geworden, und ganz besonders blühte hier die Goldschmiedekunst. Der reiche Handelsstand liebte den Prunk im eigenen Hause und stiftete kostbare Werke für die Gotteshäuser. Auch die Höfe in München, Prag, Insbruck, Wien u. s. w. waren Freunde und Förderer der Kunst, und es galt als ein besonderer Vorzug eines Kunstwerkes, wenn es aus einer Regensburger Werkstatt hervorgegangen war. Darum fehlte es hier auch nicht an Gelegenheit zu einträglicher Arbeit. Unter den berühmten Meistern der dortigen Goldschmiedekunst ragte besonders der Lehrmeister Daniels, Andreas Attenstett, hervor. Seine Arbeiten in Gold und Silber standen bei den Fürsten in so hohem künstlerischen Ansehen, daß der Kaiser ihn zum