Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- 12 (1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 178 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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178 Air kleine Müßiggänger. Don Üli. Andorn-Hattingen. „Sage nicht, wenn ich Zeit habe, will ich lernen; Denn — sprichst du so— wirst du niemals lernen." Und wenn nicht jetzt, wann denn sonst?" sSprüche der Däter 2,5 und 1,14.) Vieser herrliche Ausspruch eines weisen des jüdischen Altertums verdient es, daß er in Golöbuchstaben an den Wanden der Schnlsäle und Arbeitsstätten der Engend prange; warnt er doch vor einer Entschuldigung und nichtssagenden Ausrede, die so häufig dem Alunde träger und nachlässiger Schüler entsährt, werfen wir Zunächst einen kurzen Blick auf das Leben des Alannes, der dies schöne Wort sprach. Ts ist der sanftmütige und weise Hillel, jene Zierde seiner Zeit, einer der bedeutendsten Lehrer Israels aller Zeiten, vierzig stahre war er bereits alt, als er, ein geborener Babylonier, nach Jerusalem kam und dort sein Studium begann. Dabei hatte er mit der grössten Rot zu kämpfen. Durch Tagelöhnerarbeit erwarb er sich einen kleinen Betrag, von dem er die Hälfte dem Thürsteher des Lehrhauses als Eintrittspreis zahlen muhte. Mt der anderen Hälfte ernährte er sich und seine Familie kümmerlich, wie er in seiner Wissbegierde eines Tages und auch während der Nacht vom Dache aus den Vorträgen der Le-cr lauschte, dabei aber beinahe sein Leben verloren hätte, ist zu allgemein bekannt, als daß ich es hier zu wiederholen brauchte, vielleicht nun wollten falsche Freunde, die, wie dies so oft geschieht, sich fleißigen und strebsamen Schülern anschliehen, Hillel auf sein thörichtes Beginnen — zu lernen, aufmerksam machen. „Hillel," mögen sie gesagt haben, „jetzt nachdem du die Lehrjahre längst überschritten hast, willst du dich noch dem Studium widmen? 'Latz ab von deinem Streben, zumal du auch keine Zeit dazu hast, du wirst nichts mehr erreichen können!" sthnen erwiderte er mit oben angeführten Worten, ja noch mehr, „wisset," fügte er hinzu, „wer seine Kenntnisse nicht vermehrt, nimmt immer mehr an wissen ab, wer aber gar nichts lernt, ist des Todes schuldig." (Sprüche ö. v. 1,15.) So sprach Hillel; noch vierzig stahre brauchte er zu seinem Studium, uud von da ab gilt er als Grotzmeister seiner zeitgenössischen Lehrer. — Sage nicht: wenn ich Zeit habe, will ich lernen, wie die Frühstunöen des Tages die geeignetste Zeit zur Arbeit sind, denn da ist der Körper ausgeruht, die Glieder neu gestärkt, so ist auch der Morgen des Lebens (die Jugendzeit) die wichtigste Zeit zum Lernen. („Am Morgen streue deinen Samen aus." Preö. XI, 6.) Da ist der Geist noch frisch, das Gedächtnis treu, die Phantasie lebhaft, das Auge scharf. So können die Hände und die übrigen Glieder nur in den fahren der Kindheit zu manchen Künsten und Arbeiten geübt werden; die