Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- 11 (1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 166 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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166 „3d} habe dich rufen lassen, mein kleiner freund, um zu erfahren, welche Wünsche du für deine Zukunft hegest." Überrascht blickte Daniel zu den: Grasen aus, dessen Ulund ein freundliches lächeln mnspielte. „Gnädiger Herr, ich bin ein armer Iudenknabe — was kann ich wünschen, was darf ich hoffen?" „Kind," erwiderte rasch der Graf, „du bist reicher als mancher Fürst, der in prächtigein schlöffe wohnt und weitgedehnte (änderstrecken und Wenschen und Vieh sein eigen nennt; du hast ein edles Herz, bist mutig und ein treues Kind deines Glaubens — das sind Güter, die alle schätze der Erde aufwiegen. Was ich für dich zu thun vermag, ist gering im Verhältnis zu dem, was du vollbracht hast!" Glutrote bedeckte das Gesicht des Knaben, und verschämt senkte er den Blick zum Boden. Als er noch immer mit der Antwort zögerte, sprach der Gras, ihn ermutigend: „Nun mein kleiner (ebensretter, sprich, was soll ich für dich thun?" „Die Wahl, Herr Graf, steht mir nicht zu," erwiderte zögernd der Knabe, „ich würde wohl gern Goldschnüed werden, allein" — — „Goldschmied"? fragte der Graf erstaunt. Diese Frage erweckte in dem Knaben die Befürchtung, er habe eine Unbescheidenheit begangen, und schon wollte er Worte der Entschuldigung Hervorbringen. Doch der Graf kam ihm zuvor, und indem er die Hand \ auf des Knaben Haupt legte, sagte er: f „Das gefällt nur, Knabe,' aber hast du auch bedacht, daß diese Kunst viele Jahre der (ehre bedarf?" *„0 ich will recht aufmerksam und fleißig sein und meinem Uceister mich so dienstfertig zeigen, daß er gewiß Geduld mit mir haben und mich in allein unterweisen wird, was diese Kunst erfordert. Und wenn ich dann ein gut Stück Geld verdienen kann, o wie will ich da für meine guten Eltern und für meinen lieben alten Großvater sorgen, und euch, gnädigster Herr, will ich mich dann ewig dankbar zeigen!" Diese Worte klangen so zuversichtsvoll, und der Knabe schaute dem Grafen so ehrlich ins Gesicht, daß dieser sofort bereit war, den Herzenswunsch des Knaben zu erfüllen. Doch Daniel war noch zu jung und noch nicht genügend vorgebildet, um sogleich in die (ehre eintreten zu können Darum ordnete der Graf an, daß der (ehrer, den er für seine eigenen Kinder bestellt hatte, noch während eines 3afyres täglich dem Knaben Unterricht erteilte. Obgleich das leichte Gefährt des Grafen den beglückten Knaben förmlich durch die (uft trug, dauerte ihm der Weg zu seinen Eltern doch noch zu lange. Er war so voller Glückseligkeit, daß er den Augenblick kaum erwarten konnte, «o er seinen Angehörigen, die seiner Rückkehr erwartungsvoll harrten, die freudige Mitteilung von der sicheren Aussicht auf Erfüllung seines