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Israelitischer Jugendfreund · 1897-01-01 · 11 (1897) · p. Seite 165

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Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
3 (1897)
Issue
11 (1897)
Date
1897-01-01
Page
Seite 165 (sequence 5)
Language
German
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165 achtungsvolles Verhalten der Kinder zu den Eltern, eine so innige Liebe zwischen den Ehegatten und eine so aller Opfer fähige Fürsorglichkeit der Eltern, wenn <,5 das leibliche und geistige N)ohl der Kinder galt, zu beobachten Gelegenyeir gehabt. Aber auch die religiösen Einrichtungen der Juden erschienen ihm jetzt so inhaltvoll, daß er es nicht begreifen konnte und es als eine Roheit ansah, daß mancher religiöse Gebrauch als Gegenstand der Verspöttelung angesehen wurde. Nur der Unkundige weiß die jüdischen Gebräuche nicht zu würdigen. Mer aber ihren geistigen Gehalt zu erkennen bestrebt ist, wird mit Achtung vor ihnen erfüllt. Der Graf verschmähte es nicht, sich durch eigene Anschauung von der hohen sittlichen Bedeutung der jüdischen Religion zu überzeugen. Besonders günstige Gelegenheit hierzu bot ihm der öftere Aufenthalt im Hause des wohlhabenden und angeseheneil Goldschmiedekünstlers Alpart in R. Dieser fromme und gelehrte Mann mußte ihnl öfter Auskunft erteilen über Fragen, die die jüdische Religion betrafen. „Ihr müßt euch meine Neugier nicht verdrießen lassen, Kleister Alpart," sagte der Graf gutmütig, als er einmal in Geschäftsangelegenheiten bei Alpart war. „Herr Graf, ich habe kein Recht, euch etwas vorzuenthalten, was ihr zu wissen begehret, soweit meine bescheidenen Kenntnisse ausreichen," antwortete Alpart, „und ich weiß, daß die Verbreitung der Kenntnis unserer Lehre uns nimmer zum Schaden gereichen wird. Nur die Unkenntnis unserer heiligen Religion oder Neid und Böswilligkeit haben das Vorurteil gegen uns erzeugt und schon so oft namenloses Unglück über uns gebracht." „Laßts nur gut sein, Meister," beruhigte ihn der Graf, „es.wird die <3cit kommen, da jedes Vorurteil schwinden und man euch die wohlverdiente Gerechtigkeit widerfahren lassen wird." „Das sei Gottes heiliger U)ille," sagte Alpart in feierlichem Tone. Mit freundlichen Morten verabschiedete sich der Graf, um sich auf sein Schloß zu begeben. Noch an denrselben Nachmittage finden wir Daniel im Schlosse. Er war auf den Munsch des Grafen hierher gekommen, und der Diener geleitete ihn in ein prachtvoll ausgestattetes Zimmer. Melch eine Fracht bot sich hier den staunenden Blicken des Knaben dar! Kunstvoll geschnitzte Möbel in sorgfältiger Ordnung, an den Mänden farbenprächtige Malereien, verschiedene Landschaften und die Ahnen der gräflichen Familie darstellend, eine metallene vielarmige Lampe, von der Mitte der Decke herabhängend, vielerlei Zierat wie Vasen, Statuen, natürliche und künstliche Blumen, bunte getäfelte Fenster, alles das berauschte fast die Sinne des Knaben. Nach wenigen Minuten sah er sich dein Grafen gegenüber, der ihn mit herzlicher Freundlichkeit empfing.

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