Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- 11 (1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 164 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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164 Treue und Dankbarkeit gegen unfern Landesherrn, die uns jedes Opfer für fein teures Leben bringen heißt. So lehrt uns das Gesetz, und so mußte ich und will ich stets handeln!" Wit Thränen in den Augen umarmte Eli seinen Enkel und küßte ihn. Auch der Graf war aufs tiefste gerührt. Er erhob sich von seinem Sitz, ging auf den Knaben zu und reichte ihm seine Rechte, die dieser ergriff und ehrfurchtsvoll küßte. „Wöge Gott, der dich zu meinem Retter gemacht, dir die Treue lohnen, die du mir erwiesen hast. Auf meine Dankbarkeit und Huld kannst du stets rechnen," sagte der Graf gerührt. , Waldemar und sein Kumpan entgingen der wohlverdienten Strafe nicht. Nach Verkündigung des Urteils wurden Eli und Daniel entlassen, und mit einer ehrerbietigen Verbeugung entfernten sie sich. * * * Die ehrfurchtgebietenden Tage des Neujahrs- und Versöhnungsfestes waren vorüber. ZTÜit freudigerem Gemüte als viele Zahre zuvor schickten sich die gutseingesessenen Juden des Grafen zur Feier des Sukkothfestes an. Seit dem denkwürdigen Tage feiner Errettung durch Daniel bekundete der Graf fein Wohlwollen gegen seine Schutzjuden in hohem Maße. Die Einziehung des Leibzolles wurde weit milder als bisher gehandhabt, und manche Erleichterung erfuhren die Juden inbezug auf ihren Erwerb. Daß der Graf der Familie Gabriel gegenüber es an mancherlei Bevorzugung nicht fehlen ließ, läßt sich bei dem edlen Eharakter des Grafen leicht denken. Ja gutmütig, sogar hochherzig war der Graf, und er hätte sicherlich seine Güte tu noch höherem Waße walten lassen, den Juden die lästige Steuer vielleicht ganz erlassen, wäre er trotz seiner vielen großen Besitzungen nicht öfter in Geldverlegenheit gewesen. Seine üppige, ja verschwenderische Lebensweise verschlang große Summen, so daß die reichen Erträge seiner umfangreichen Ländereien zur Bestreitung des kostspieliegen Hofhaltes nicht ausreichten. Daß der Graf feine Dankbarkeit auf alle seine Juden ausdchnte, hatte seinen Grund darin, daß durch die Handlungsweise. Daniels sein Vorurteil gegen die Juden beseitigt wurde. Die mutige und von treuer Ergebung zeugende That des jüdischen Knaben sah er jetzt als einen Ausfluß der religiösen Gesinnung an, und er sagte sich, ein Volk, das solche Grundsätze hat, wie Daniel sie bethätigt, nmß auch noch andere Vorzüge besitzen. Seit jener Zeit wendete er dein Leben und Treiben seiner jüdischen Gutseingesessenen seine Aufmerksamkeit zu, und bald lernte er ihre Nüchternheit, Sparsamkeit, ihren Fleiß und ihre Hingebung für ihren Schutzherrn kennen und schätzen. 2Hit einer gewissen Begeisterung aber erfüllte ihn das innige Familienleben, das er in den jüdischen Häusern fand. Noch nie hatte er ein fo ehrerbietiges und