Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- 11 (1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 163 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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163 empfangendas „Kuei-gefetz," vernehmend öas Donnerwort: M bin der Ewige dein Gott." wenn dann die Gemeinde einmütig sich erhebt, um stehend die Heilsverkündigung des Lehnwortes zu vernehmen, dann ertönt es in unserem Herzen wieder, dann erfassen auch uns die Schauer jenes großen Tages vom Sinai, dann schreibt sich auch uns in die Tafeln des Herzens mit unverlöschbaren Zeichen und unvergänglichen Vettern das Wort „du sollst." Nicht ein bitteres „AIuh," sondern ein selbstverständliches „sich soll" sei uns das Gesetz, dessen wir uns am Schabbuothfeste freuen, wie ein Kind sich des Geburtstages seiner ADitter nur srenen kann. Und als jestesgabe nehmet den Vers unseres vaterländischen Dichters Friedrich Rttckert entgegen: ,,^)ch soll, ist das Gebot, mir in öas Herz geschrieben, Das Ziel, wonach ich werde von mir selbst getrieben." Erzählung von E. planier. (Fortsetzung.) Die Gerichtsverhandlung war rasch zu Ende geführt. Angesichts des sofortigen umfassenden Geständnisses, das Waldemar und sein Spießgeselle reuigen Gemütes ablegten, wurde von denjenigen INitteln, die in damaliger Zeit zur Erzwingung eines Geständnisses angewandt zu werden pflegten, kein Gebrauch gemacht. Ebenso überflüssig war in diesem Falle das Zeugenverhör. Dennoch ließ der Gerichtshalter von Daniel sich ausführlich alle Umstände erzählen, denen der Graf seine Rettung zu verdanken hatte. Blit Freude und Bewunderung lauschten alle den schlichten Worten des Anaben, und die Treuherzigkeit, die aus ihnen klang, rührte die sonst so gestrengen Herren zu Thränen. Selbst die rauhen Ariegsknechte, die keiner Herzensregung fähig zu sein pflegten, konnten sich des überwältigenden Eindruckes nicht erwehren, die die Worte des Anaben auf die Hörer machten. Als er seine Aussage begann, war er so beklommen und verwirrt, daß er kaum einen zusammenhängenden Satz hervorzubringen vermochte. Aber er faßte sich bald^ und immer lebhafter wurde sein Blick, immer fließender wurde seine Rede, je weiter er in der Schilderung fortfuhr. Zuletzt ries er mit Begeisterung aus: „Nein, der gnädige Gras, unser gütiger Schutzherr durste nicht sterben, nicht sterben durch wörderhand! wie danke ich dem Allvater von Herzen, daß er mich ausersehen hatte, den verbrecherischen plan zu vereiteln! Ach, mir war so bange ums Herz, als ich vernahm, was gegen unfern Herrn geplant wurde. «Lei mutig und treu» wähnte ich die ermahnende Stimme meines Großvaters zu hören, und «Stehe nicht zurück bei der Gefahr deines Nächsten» tönte es in mir. Ist es schon geboten, eine Gefahr abwenden zu helfen von jedem unserer Nebenmenschen, so ist uns dies eine heilige Pflicht der