Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- 10 (1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 152 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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152 sicheren Schrittes daher, ein Schatten seiner früheren Hünengestalt. Wehr als die erlittenen Dualen der Kerkerhaft war es die Reue, die eine derartige Verwandlung an seinem Aussehen und in seiner Gestalt verursacht hatte. Aaum vermochte er sich aufrecht zu halten. Gr brach zusammen, undals er wieder die Augen ausschlug und Gli gewahrte, da rief er mit der heisern, fast erstickten Stimme eines Verzweifelten aus: „(D Rabbi Gli, wie hattet ihr doch Recht, als ihr mich mit gutgemeinten Worten warntet! 0, warum habe ich, Verblendeter, mich Hinreißen lassen, ein so schweres Verbrechen begehen zu wollen!" ZTIit einem jähen Aufschrei, der in dem weiten Gewölbe markerschütternd wiederhallte, stürze er sich dem Grafen zu Füßen, um seine Gnade anzurufen und für sein Leben zu bitten. Aber sofort riß ihn einer der Landsknechte hinweg und führte ihn vor die Schranken. Lautlose Stille, nur unterbrochen von dem Anistern des Schreibrohres, das der Gerichtsschreiber geschäftig über das jDergament gleiten ließ, war eingetreten. _ (Fortsetzung folgt.) Viererlei Ainder. Von Israel Singer, Religionsprofessor am Obergymnasium in S. A. Ujhely (Ungarn). A. In der an den ersten 2 Abenden des h>eßachfestes — die »Seder*= Abende genannt —zur Vorlesung gelangenden »lda^adah* lesen wir, daß es hinsichtlich der Auffassung und Wertschätzung der in der Gotteslehre »Thora* enthaltenen verschiedenen Gebote und Verordnungen viererlei Ainder giebt; diese sind folgende: 1. Gin weises Aind »Chochom.* Dieses fragt nach dem Unterschied zwischen den in der Bibel genannten: Zeugnissen, Satzungen und Rechtsverordnungen. 2. Gin frevelhaftes Aind »Roscho.* Denn dieses fragt: Wozu soll euch diese Arbeit? Ihm ist also die Übung der Gebote Gottes eine mühsame Arbeit. i 3. Gin einfältiges Aind »Tom.* Dieses fragt blos: Was ist das? Dieses kennt gar nicht die Unterschiede zwischen den verschiedenen Vorschriften in der Gotteslehre. 4. Gin viertes Aind wieder ist so unverständig, daß es nicht einmal zu fragen weiß: »Scheine jodea lischol. Ginem weisen Ainde ist also die Übung der Gebote Gottes nicht eine mühsame Arbeit, sondern eine angenehme Beschäftigung. Gleichzeitig fragt es den Vater oder Lehrer nach deren Erklärung, um sie mit noch größerer Hingabe zu üben.