Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- 10 (1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 149 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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zu können und um die raschere Heilung nicht zu verhindern, hat man das lockige haar ganz kurz geschoren. Daniel lag still mit weitgeöffneten Augen und schien die INalereien an der Decke des Zimmers zu betrachten. Nach einiger Zeit öffnete sich leise die Thür, und ein Herr trat ein. Es war der Arzt. Eli erhob sich und ging ihm entgegen. Beide flüsterten miteinander, hierauf schüttete der Arzt aus einer kleinen Flasche eine Flüssigkeit auf einen Löffel und reichte diesen dem Aranken. Daniel verschluckte die wohlschmeckende Flüssigkeit. „Gefällt es dir hier in, Schlosse?" fragte der Arzt freundlich. Der Anabe blickte zu ihm auf, und ein kücheln flog über seine eingefallenen Wangen: „Ja, aber zu Hause und im Walde — ist es -och — schöner — nur die garstigen — Räuber — sind nicht schön, — sie wollen den — Herrn Grafen — umbringen." Und eine Thräne stahl sich aus seinen Augen. „Darüber kannst du ganz beruhigt sein, mein Aind, die werden den: Grafen und auch einem andern nichts mehr anhaben," sagte der Arzt unentfernte sich. Aaum hatte der Arzt das Zimmer verlassen, da siel Daniel in einen festen Schlaf. Nach wenigen Tagen hatte sich der Zustand Daniels so weit gebessert, daß er im Bette aufrecht sitzen und auch sprechen durfte, Mehrmals des Tages erschien der Graf im Arankenzimmer, und mit sichtbarer Freude gewahrte er die eingetretene Besserung. Eli durfte seit jenem denkwürdigen Tage ununterbrochen um den Anaben sein. Oh,re die geringste Weigerung des Grafen wurden auf Eli's Wunsch beiden nur erlaubte Speisen verabfolgt, für deren Beschaffung rrach Möglichkeit Sorge getragen wurde. Der Geschicklichkeit des Arztes, der sorgsanren pflege und der wohlüberwachten Ruhe war es zu danken, daß Daniel nun auch bald das Bett verlassen und in einer Laube des zunr Schloß gehörenden umfangreichen und wohlgepflegten Parkes sich einige Stunden des Tages aufhalten durfte. Der Schloßherrin machte es ganz besonderes Vergnügen, „nt diesem geweckten und bescheidenen Anaben Unterhaltung zu pflegen, deshalb leistete sie ihm in der Laube öfter Gesellschaft. Sie ließ sich von ihm alle Einzelheiten des Ereignisses erzählen, wie er die Räuber zufällig zu belauschen Gelegenheit hatte, wie er den Grafen vor der ihn: drohenden Gefahr warnte, und wie dieser schleunigst in die Stadt zurückritt, um Mannschaften herbeizuholen, die die Räuber gefangen nehmen sollten, was weiter vorgefallen, wußte er nicht zu erzählen. Mit gespannter Aufmerksamkeit hatte die Gräfin dem Anaben zugehört, und als er geendet hatte, sagte sie zu ihm: „weißt du auch, daß du dem Grafen das Leben gerettet hast?" Und sie beugte sich über ihn und küßte ihn, zärtlich die Stirn.