Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- 10 (1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 148 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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148 „Km6, wir sind nicht zu Hause, auf dem Schlosse sind wir; aber du bist hier so gut ausgehoben wie zu Hause, noch besser sogar." „Aber warum bin ich auf dem Schlosse und nicht zu Hause?" des Himmelswillen, Daniel, rede mir doch nicht, du darfst ja nicht sprechen, der Leibarzt des Grasen hat es streng verboten." Daniel sah den Alten verwundert an und schwieg. Gr war gewohnt, dem Großvater ohne weiteres zu gehorchen. Selbst in dem Zustande der ernsten Krankheit vergaß er sich nicht. Erst nach einer längern Pause, während welcher Eli ihm einen erquickenden Trunk reichte, fragte der Knabe wieder- „Mollen wir nicht nach Hause gehen, wo mein Vater und meine Mutter und meine Geschwister sind?" „Mil des Allgütigen Hilfe werden wir bald nach Hause gehen können, mein Kind," sagte der Alte, dem Knaben die Hand zärtlich streichelnd, „aber vorläufig mußt du noch hier bleiben, bis du gesund bist." „Mas ist denn vorgefallen?" „Ich will dir alles erzählen, nur sprich nicht, Kind. Seit fünf Tagen bist du hier im Schlosse. Man hat dich am Hügel mit blutendem Kopfe und verletztem Arm bewußtlos gefunden. Der Graf selbst hat dich ausgenommen und ins Schloß gebracht; denn er sagte, du hast ihm das Leben gerettet. Auch ich erfuhr noch rechtzeitig von dein entsetzlichen plan gegen das Leben unseres Grafen, war in das Schloß geeilt, um das Unglück zu verhüten. Als es dunkel geworden war und ich mich gerade auf den Heimweg begeben wollte, da brachte man zwei der Räuber gefesselt, darunter Ritter Maldeniar, und einen -ritten als Leiche auf das Schloß. Die Leute des Grafen hatten ihn erschossen, a!» er entfliehen wollte. Dich, niein Kind, trug der Graf in seinen Armen und brachte dich in dieses Zimmer. Seitdem bist du hier. Deine Eltern haben dich täglich besucht, und ich bin immer bei dir." Der Alte hielt plötzlich^inne; er merkte, daß er zu viel gesprochen habe, zu viel zu einem kranken Kinde. Aber es war nicht ohne Absicht geschehen. Durch diese ausführliche Erzählung wollte er dem Knaben jede Gelegenheit zu weiteren fragen nehmen. Als dieser jedoch wieder sprechen zu wollen schien, kam ihm Eli zuvor und sagte in bittend zärtlichem Tone: „Jetzt aber verhalte dich ruhig, ganz ruhig, und schließ die Augen." Mie immer wollte Daniel auch dieses Mal gehorchen und die Augen schließen. Aber er konnte es nicht. Er verhielt sich ruhig; aber an dem immer lebhafter werdenden Gesichtsausdrucke merkte Eli, der ihn unausgesetzt beobachtete, daß dem Knaben die Erinnerung wiederkehrte und er sich bewußt wurde, was mit ihm vorgegangen war. Jetzt empfand dieser auch einen dumpfen Scherz am linken Arm, und er merkte, daß er fest umwickelt war und er ihn infolgedessen nicht bewegen konnte. Bei nochmaliger Berührung des Kopfes mit der rechten Hand wurde es ihm klar, warum er vorhin die Locken vermißte. Um die Munde, die er sich beim Fallen zugezogen, sorgsam verbinden