Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- 9 (1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 141 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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141 Alorgens, als der Prinz im Garten eine Rose pflückte, um sie seiner Schwester Tharlotte zu schenken, stürzte ein Wächter, der kürzlich erst auf diesen Posten berufen, auf ihn zu. „Wart', Du kleiner Strick, Du wagst es, hier Blumen zu stehlen!" — Fällt mir nicht ein." — „Was soll das heißen, Du Nichtsnutz?" — „Der Garten gehört doch meinem Papa." — „So, wer ist er denn Dein Papa?" „Na, da im Schlosse wohnt er doch." „Alle Teufel," wetterte der Terberus, „alle Jungen wie Du können sich so was ausdenken. Komm einstweilen nur immer mit mir, aber ein bischen schnell, hörst Du?" Zum Glück war der Papa in der Nähe und befreite den Prinzen, dem die Situation recht ungemütlich geworden war. Erzählungen aus dein Talmud. Doll Dr. AI. Doctor. IV. Jofef öer Sabbathfreuip. Jn einem kleinen Manschen lebte einmal ein armer, braver Israelit. Kümmerlich nur konnte er seine Familie von dem geriligen (Ertrage seiner Hände Arbeit ernähreil. Aber mochte auch öle ganze Woche Schmalhans Küchenllleister sein — am Sabbath gab es immer etwas Gutes. Am Freitag ging sjosef früh ans und ließ es sich nicht nehmen, einen Leckerbissen für seine Angehörigen zn kanfell. Besollders hielt er darauf, daß ein stattlicher Fisch die Sabbathtafel zierte. „Den Sabbath muß man heilig halten," sagte er stets, wenn seine wackre Gattill den Fisch gar appetitlich znbereitet, ans den Tisch stellte. And weil er auch sonst den Sabbath fromm und getreu beging, so nannte man ihn kurz: Jofef — den Sabbathfrennd. Jofcf hatte einen steinreichen Alaun zum Aachbar. Der war ein Heide und sehr geizig und abergläubisch. (Eines Tages sah er behaglich im Schatten einer Palme, da ging ein greiser Sterndeliter vorüber. Der reiche Alaun lud ihn ein, ein wellig zu rasten. Die Tillladnng wurde angmommen. Aber keine (Erfrischung, kein kühlender Trunk wnrdeli dem alten Alaune angeboten. Aach einer Weile erhob er sich nliwillig und entrüstet über den Geiz des reichen Alannes. „Dein Reichtum," sagte der Greis, „wird ein jähes Ende nennen, stch habe in den Sternen gelesen, daß er in die Hand Josefs des Sabbathfrenndes fallen wird." Sprach's und ging feines Weges. Dem reichen Alaune ging die Prophezeiung nicht aus dem Sinn. Wie konnte er sie wohl am besten unerfüllbar lnachen? Gr verkaufte alle seine Güter, und für all das Geld, das er dafür erhielt, erstand er eine Perle von wnilderbarer Schönheit und ungeheurem Wert. Dann ließ er sich einen goldönrchwirkten Turban Herstellen und befestigte an den Goldfäden heinllich die Perle. Den Turban hatte er Tag und Nacht auf dem Kopfe. Da er nun