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Israelitischer Jugendfreund · 1897-01-01 · 9 (1897) · p. Seite 140

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
3 (1897)
Issue
9 (1897)
Date
1897-01-01
Page
Seite 140 (sequence 12)
Language
German
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- 140 - >»! Worten, seine Betrachtungen zeugten von liebenswürdiger Sanftmut. Wenn es sich daruni handelte, Geschichten wiederzuerzählen oder mitanzuhören, merkte man nichts von einer Teilnahmlosigkeit an ihm. Seine Augen glänzten, sein Antlitz glühte, und gern hätte er Frühstück und Ulittag geopfert, uni sich in der Lektüre von Jules Berne und anderen Büchern dieser Art nicht zu stören. Gr sprach ein recht reines Französisch, aber in den schriftlichen Arbeiten häuften sich die Fehler unter seiner Feder mit einer wahrhaft fürstlichen Verschwendung. wie oft brachte er mich fast zur Verzweiflung dadurch, daß er immer wieder dieselben grammatikalischen Fehler machte! Und doch vermochte ich nicht, ihm ernstlich böse zu werden. Gr nahm dann eine so schebnische Uliene an, sein Blick bat so inständig um Schonung, daß ich ihm verzeihen mußte. Und gar manche heitere Stunde hat er mir durch seine drolligen Ginfälle und Bemerkungen bereitet. Gines Tages, als ich ihm mit dem Zorne des älteren Bruders drohte, wenn er sich nicht ernstlich hinter seine Arbeit inachte, eutgegnete er mir: „Ich fürcht' ihn nicht, was kann er mir denn thun? Früher, ja freilich, da hätte er vielleicht noch Rechte über mich gehabt, aber seit der französischen Revolution ist's damit aus." Gin ander Ulal ließ ich ihn ein Diktat schreiben, in welchem von einer Königin die Rede ist. wie ich zu dem folgendeil Satz kortzme: „Außer ihrer natürlichen Anmut umkleidete sie noch jene erhabene würde, wie sie Prinzessinnen van königlichem Blute eigen zu sein pflegt", da legt er die Feder aus der Hand und sagt nachdenklich- „Der das geschrieben hat, wird wohl nicht oft in seinem Leben mit Königinnen zusammen gewesen seiil." „Weshalb denn?" fragte ich. „Weil ich nie etwas von jener „erhabenen Würde" bemerkt habe bei den Prinzessinnen von königlicheiii Blut, und ich bin doch mitten unter ihnen aufgewachsen." Während der Weihnachtsferien im Jahre 1876 brachte Prinz Heinrich einige Tage in Berlin und Potsdam zu. Gr war vergnügt wie eine Aiiisel bei feiner Rückkehr, er fang, lachte und hüpfte den ganzen Tag. — „was giebt es deim so besonders Schönes?" fragte ich ihii. — „Ich will es Ihnen aiwertrauen, weim Sie es nicht weiter erzählen wollen." — „Abgemacht." — „Also! Papa nahm iiiich eines Abends auf's Knie und sagte zu mir:,, Heinrich, weiin Du brav bist und fleißig arbeitest, sollst Du dafür belohnt werden. Du weißt, daß Du zum Seemann bestimmt bist; nun also, Du kannst ganz beruhigt sein, ich werde selbst für Deine künftige Stellung in der Alarme Sorge tragen, wie ich Deine ganze Zukunft leiten will." „Das ist gewiß wunderschön", entgegnete ich, „und ich wünschte, ich wäre so beruhigt über meine Zukunft wie Sie über die Ihre; aber nun müssen Sie auch mit aller Gnergie arbeiten." — „O, freilich." Am nächsten Tag: kam er zum Unterricht ohne auch nur eine Zeile geschrieben zu haben. Gines Abends, als ich mich zum Diner nach Wilhelmshöhe begeben wollte, widersetze sich die Schildwache meinem Gintritt in das Schloß und hielt die Bajonette vor. Bach einigen Almuten erhielt sie dann Weisung, nrich passieren zu lassen. Prinz Heinrich wollte sich ausschütteu vor Lachen. Gines

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